Von Angelika Eder
TELEMEDIZIN Gerade Herzpatienten profitieren von der elektronischen Überwachung / Breckenheimer Ärztin beteiligt sich an dem Projekt
„Mindestens einem meiner Patienten hat die Telemedizin mit Sicherheit das Leben gerettet. Er bekam nachts Herzrhythmusstörungen, hat alles sofort richtig eingeleitet und konnte deshalb umgehend in einer Klinik angemessen behandelt werden.“ Die Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Springborn beteiligt sich mit ihren Praxiskolleginnen im Stadtteil Breckenheim seit dem dritten Quartal 2008 an dem telemedizinischen Programm der BKK Gesundheit und beurteilt es durchweg positiv: Ihre Herz-Patienten im Alter von 51 bis 84 Jahren waren nach eingehender Information und persönlicher Zustimmung speziell ausgestattet worden, um so genannte Vitalwerte wie EKG, Blutdruck und Gewicht von zu Hause aus telefonisch an ein telemedizinisches Zentrum übermitteln zu können. Dort werten Kardiologen die Daten auf der Basis elektronisch gespeicherter Vorbefunde aus und ergreifen bei Über- oder Unterschreiten individuell festgelegter Grenzwerte Sofortmaßnahmen.
Um an dem Projekt teilnehmen zu können erhalten Menschen mit chronischer Herzschwäche eine digitale Waage, um regelmäßig eine mögliche Gewichtszunahme, sprich: Wassereinlagerungen, im Blick zu haben, ein Blutdruck-Messgerät sowie ein Modem, so dass sie täglich ihre Daten überspielen können. Bei Unregelmäßigkeiten rufen die Zentrum-Mediziner den Patienten persönlich oder den Hausarzt an.
EKG wird überspielt
Patienten mit Herzrhythmusstörungen bekommen darüber hinaus ein mobiles EKG-Gerät. Das kann vom Betroffenen selbst mit einem Gurt um die Brust gelegt werden, um so die Herzkurve telefonisch an die Spezialisten im Zentrum zu überspielen. So hatte es auch der oben genannte Patient gemacht, woraufhin ihm die rund um die Uhr erreichbaren Kardiologen schnellstmöglich einen Rettungswagen und die Hausärztin schickten.
Gerade bei Herzrhythmusstörungen profitiert der Patient nach Ansicht der Breckenheimer Ärztin von der Telemedizin, zumal ein Fachmann unmittelbar zwischen lebensbedrohlichen oder harmlosen Veränderungen unterscheiden könne. „Damit gibt dieses System dem Kranken eine beruhigende Sicherheit und verhindert eine überflüssige Klinik-Einweisung, die seelisch belastend und zugleich kostenintensiv ist“, betont Springborn. Damit mache sich, was derzeit noch als Luxus für Krankenkassen gelte und von den meisten nur als zeitlich begrenztes Modell durchgeführt werde, auf Dauer höchstwahrscheinlich bezahlt. Außerdem habe sie einen weiteren Vorteil kennen gelernt: Dank der tabellarischen und graphischen Speicherung der Daten stellte man im Zentrum fest, was die Hausärztin nicht wissen konnte: In der Apotheke war einer Patientin anstelle eines Originalpräparates ein preiswerteres Nachfolgeprodukt (Generikum) gegeben worden, auf welches die Betroffene mit Herzschwäche negativ reagierte. Dank einer telefonischen Warnung Springborns durch das Zentrum konnte das Problem umgehend durch erneuten Medikamentenaustausch gelöst werden.
Springborn beteiligt sich bisher als Allgemeinmedizinerin gegen eine extrabudgetäre Vergütung von 35 Euro pro Quartal und Patient nur an dem Programm für Menschen mit kardialen Problemen. Die müssen ihren Hausarzt übrigens viermal im Jahr aufsuchen und den Facharzt je nach Krankheitsstatus in bestimmten zeitlichen Abständen. Von Telemedizin können inzwischen allerdings auch Diabetiker profitieren, sofern die Kasse die Kosten übernimmt. Anderenfalls muss der Patient für diesen Service aus der eigenen Tasche zahlen.

