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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Helene-Lange-Schule: Heftige Kritik von Kultusministerin Henzler an Enja Riegel

19.03.2010 - WIESBADEN

Von Christoph Risch

Enja Riegel, ehemalige Leiterin der Helene-Lange-Schule, sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Ihre Aussage, sie habe auf einen Missbrauchsfall an ihrer Schule im Jahr 1989 „vorbildlich reagiert und gezeigt, wir gucken hin“, teilt Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) nicht. Im schulpolitischen Ausschuss des Landtags, der sich mit den Missbrauchsfällen an hessischen Schulen und Internaten beschäftigte, sagte Henzler: „Die Prüfung hat ergeben, dass sich die Einschätzung von Frau Riegel mit der Aktenlage nicht deckt.“

Riegel hatte damals auf eine Anzeige verzichtet, als sie erfuhr, dass der Kunstlehrer Hajo W. vier Schüler missbraucht haben soll. Stattdessen sei der beschuldigte Lehrer suspendiert worden. Er habe die Schule verlassen und sich einer Therapie unterziehen müssen. Doch in der Personalakte des 2008 verstorbenen W. findet sich kein Hinweis auf eine Suspendierung. Auch sei W., der nach 1989 in die Lehrerfortbildung wechselte, weiterhin der Helene-Lange-Schule zugewiesen geblieben, ehe er 1997 wegen eines Auslandsaufenthaltes für vier Jahre beurlaubt wurde und anschließend an die Kerschensteinerschule, eine Berufsschule, wechselte.

Henzler: Riegel nicht entschlossen gehandelt

Henzler kritisierte, dass Riegel damals nicht entschlossen gehandelt habe, und fügte hinzu: „Sie hat noch einen erheblichen Erklärungsbedarf.“ Derzeit wird geprüft, ob gegen die ehemalige Schulleiterin wegen ihres damaligen Verhaltens disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet werden. Sie könnten bis zur Streichung der Ruhestandsbezüge reichen.

Riegel wies den Vorwurf, sie habe 1989 nur unzureichend reagiert, zurück. Wenn sich in den Akten nichts finde, liege das daran, dass die entsprechenden Akten im Schulamt verschlampt worden seien: „Das ist doch der eigentliche Skandal.“ Stimmt nicht, so Ute Schmidt, Leiterin des Staatlichen Schulamts für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis. Die Personalakte von Hajo W. liege ihr vollständig vor. Von einer Suspendierung oder anderen disziplinarrechtlichen Schritten gegen den damaligen Kunstlehrer sei darin nichts zu finden. Von dem Missbrauch selbst ist ebenfalls nichts zu lesen.

Kontakt nicht komplett abgebrochen

Hajo W. hat auch nicht den Kontakt zur Helene-Lange-Schule völlig abgebrochen, wie es anfangs wohl vereinbart gewesen war. So war er als Fotograf für ein 1997 erschienenes Buch tätig, das sich mit der Schule und ihren reformpädagogischen Zielen beschäftigt.

Für „völligen Quatsch“ hält Riegel die Behauptung von ehemaligen Schülern und deren Eltern, sie habe den Fall möglichst niedrig hängen wollen, damit der gute Ruf der bundesweit als Reformschule bekannten Helene-Lange-Schule nicht leidet. Dass es nicht zur Anzeige kam, sei damals von der Schulgemeinde einvernehmlich beschlossen worden. Wenn ihr jetzt vorgeworfen werde, sie habe Druck auf die Schulgemeinde ausgeübt, dann stimme das nicht.


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