Von Johanna
KURIOSES Wiesbadener Internetagentur sammelt Beispiele für missglückte Webseiten
Dupré
. Albtraum eines Konzertveranstalters: es scheppert aus schlecht ausgesteuerten Boxen, das Licht ist grell und blendet, der Kunstnebel löst akute Atemnot aus - statt Party zu machen, verlässt das Publikum genervt den Saal. Wie praktisch, dass die Homepage eines Stuttgarter Veranstaltungstechnikers namens Diener da gleich einen Warnhinweis enthält. Oder wie sonst soll man den Namen der Website - "www.dienervt.de"- verstehen? Andere Branche, ähnliches Symptom: auch der Informationstechnik-Dienstleister "IT Asset Management" scheint nicht wirklich vom eigenen Produkt überzeugt. Na ja, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung mag sich der Nutzer denken, während er "www.itscrap.com" - zu Deutsch: es ist besch...eiden - aufruft. Dabei ging's doch eigentlich nur um Elektronikschrott (IT scrap).
Dass man sich mit der Wahl des Domain-Namens für seine Firma "ganz schön in die Nesseln setzen kann" haben Sebastian Preuß und Martin Seibert von der Wiesbadener Internetagentur Seibert Media herausgefunden - und die kuriosesten Beispiele jetzt im Online-Magazin "Dr. Web" aufgelistet. "Die Idee kam uns, als wir vor Kurzem mit einem Freund aus Kanada abends weg waren" erzählt Preuß. Auf der Wilhelmstraße kam ihnen ein Auto entgegen, das einen Schriftzug von "Athletics Sport Sponsoring" trug. Samt Angabe der Website: "www.ass-team.net". "Unser Freund hat sich gekringelt vor Lachen", sagt Preuß. Kein Wunder, bringt dieser Name die Nachwuchssportler, die die vom Bochumer Sportförderer gesponserten Autos nutzen - auch Mitglieder von Eintracht Frankfurt oder dem VC Wiesbaden sind darunter - doch ungewollt mit einem höchst delikaten Körperteil, dem Hinterteil, in Verbindung.
"Fehlende Kenntnis des Englischen" ist laut Preuß einer der häufigsten Gründe, weshalb die Namensfindung so richtig in die Hose gehen kann. Doch es geht auch ohne, wie die Schweizer von "ARS Computer Consulting" beweisen, die man im Netz - klar - unter "www.ars.ch" findet. "Hier kommt wohl nur eine temporäre Wahrnehmungsstörung in Frage", urteilt Preuß.
Was für Nutzer komisch ist, kann für die betroffenen Firmen ernste Konsequenzen haben, indem Kundenkontakte ausbleiben: "Die meisten Nutzer schauen beim oder vor dem Öffnen einer Website auf die URL, um sich zu vergewissern, dass sie auf der richtigen Seite sind", sagt Preuß - und wem würden bei Adressen wie "www.polo.ch" oder "www.swissbit.ch" (sagen wir: eine moralisch lockere Schweizerin) nicht leise Zweifel kommen? Auch wenn es nur um Sportartikel und Computerchips geht. Ebenso harmlos eigentlich wie der Spitzenreiter auf der Liste, der sich auf hochwertige Kugelschreiber (englisch: "pen") spezialisiert hat. Nur lässt die Domain "www.penisland.net" etwas ganz anderes vermuten.
Kann das wirklich noch Versehen sein? "Manchmal ist es auch eine bewusste Marketingstrategie", sagt Preuß. Denn eines erreichen diese Domains durchaus: Aufmerksamkeit. Immerhin wurde selbst Preuß´ und Seiberts Liste bereits über 80 mal kommentiert.
"Touristen" dürfte eine Seite wie penisland.net so leicht finden. Doch die wenigsten werden wohl ernsthaft einen Kugelschreiber kaufen.

