RHEIN-MAIN-HALLEN Masterplan vermisst
(cc). Die Bürgerliste Wiesbaden warnt vor einem "höchst kostspieligen Schildbürgerstreich", wenn die Rhein-Main-Hallen an anderer Stelle neu gebaut werden und deshalb die erst 2006 errichtete Eingangshalle wieder abgerissen wird. Nach wie vor sei ungeklärt, was die Umgestaltung des Eingangsbereichs gekostet hat. "Sicher ist nur, dass er Millionen teurer war als angesetzt und die Rhein-Main-Hallen an den Rand der Insolvenz gebracht hat."
Wie berichtet, hatte der Aufsichtsrat der Rhein-Main-Hallen Betriebsgesellschaft im Dezember 2005 den Neubau des Foyers beschlossen und als "absolute Obergrenze" Baukosten in Höhe von 4,9 Millionen Euro festgesetzt. Festgestellt wurden drei Jahre später Baukosten von 7,3 Millionen Euro, dazu Baunebenkosten von 1,3 Millionen Euro. Mit weiteren Kostensteigerungen ist zu rechnen, sollten die Messehallen nicht neu gebaut, sondern nur saniert werden. Dann müsste ein höherer Betrag in den Brandschutz investiert werden. Nach Kenntnis der BLW hatte die Unternehmensberatung Roland Berger in einem 2006 vorgelegten Gutachten die Modernisierung des Foyers gefordert, aber zugleich einen "langfristigen Masterplan" für die Rhein-Main-Hallen empfohlen, der mit dem Neubau des Eingangsbereichs abgestimmt werden müsste. Nun kritisiert die BLW: "Man hat die Millionen für das Foyer ausgegeben, ohne einen Masterplan aufzustellen". Die Ausgabe sei für den Ball des Sports getätigt worden, der die Stadt allein in diesem und im vergangenen Jahr über eine Million Euro gekostet habe.
Teures Vergnügen
Tatsächlich war es bei Baubeginn Vorgabe, dass das Foyer zum Februar 2007 fertig sein muss, damit dort der Ball des Sports stattfinden kann. Heute bezweifelt die BLW, dass sich Wiesbaden "angesichts leerer Kassen so teure Vergnügungen leisten" kann. Auch die Rhein-Main-Hallen hätten "jeden Grund zu sparen", weil sie zu wenige Veranstaltungen akquirierten. Die BLW weiter: Den Neubau der Rhein-Main-Hallen - auf den nach der IHK sowie der Ärzteschaft nun auch die Anhänger des Ball des Sports drängten - müsse die Stadt allein bezahlen. Die Stadt dürfe sich aber "nach dem Debakel mit der Eingangshalle" kein zweites Abenteuer mit ungewissem Ausgang erlauben.
Bis 2008 hatte die Landeshauptstadt 51 Prozent Anteile an den Rhein-Main-Hallen, den Rest teilten sich Industrie- und Handelskammer, Nassauische Sparkasse sowie Unternehmen wie Bilfinger und Berger oder die Eichbaum Brauerei. Seit 1. Januar 2009 hat Wiesbaden deren Anteile übernommen. Die Bürgerliste fragt nun nach dem Beitrag, den die früheren Gesellschafter an der Finanzierung des Foyers geleistet haben und welche Vorteile die Stadt habe, einen Betrieb zur Gänze zu übernehmen, der tief in den roten Zahlen stecke.

