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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Rudolf-Dietz-Debatte: Jamaika-Koalition lehnt SPD-Antrag auf Schul-Umbenennung erwartungsgemäß ab

03.07.2009 - WIESBADEN

Von Manfred Gerber

Rudolf Dietz und kein Ende. Ausgiebig stand der Nauroder Heimatdichter (1863 - 1942) wieder einmal im Fokus der Rathauspolitiker, die darüber debattierten, ob ein NSDAP-Mitglied in einem demokratischen Gemeinwesen als Namenspatron einer Grundschule tauge.

Tut er nicht, bekräftigte noch einmal Peter Schickel, dessen SPD-Fraktion den Antrag auf Umbenennung auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Dietz sei eindeutig Antisemit gewesen und habe der "fatalen Weltanschauung der Nationalsozialisten, die in gigantischen Staatsverbrechen gipfelten, auf seine Weise geistigen Vorschub" geleistet. Schickel sah die Glaubwürdigkeit der Wiesbadener Erinnerungskultur gefährdet und nannte als Beispiel das namentliche Gedenken auf dem Michelsberg, die Stolpersteine und die Allee der Erinnerung an der Schlachthoframpe.

Dem wollte auch die Sprecherin der Grünen, Helga Brenneis, nicht widersprechen. Sie bat aber um Verständnis, das die Grünen dem Ansinnen der Jamaika-Partner zustimmten, bis November zu warten, wenn die Dietz-Magistratskommission mit den Vertretern der Schule gesprochen hat. Erst dann wolle man über das weitere Vorgehen entscheiden. Für die CDU pochte Torsten Tollebeek darauf, dass die Namensgebung eines der ureigenen Rechte der Ortsbeiräte sei, an denen man nicht rütteln dürfe. Der Nauroder Ortsbeirat habe zweimal mit breiter Mehrheit den Erhalt des Namens beschlossen. (In für die Stadt wichtigen Angelegenheiten kann allerdings die Stadtverordnetenversammlung bestimmen).

Republikaner-Chef Mark Olaf Enderes warf Tollebeek und der CDU später vor, sich hinter dem Ortsbeirat zu verstecken, statt klar - wie er - für Rudolf Dietz Position zu beziehen. Michael von Poser drang darauf, auch den islamischen Antisemitismus zu verurteilen. "Untragbar" war Dietz für den Linken Hartmut Bohrer.

OB Helmut Müller würdigte wie schon seine Vorredner Brenneis und Schickel ebenfalls die Arbeit des Lehrerkollegiums der Rudolf-Dietz-Schule in Sachen Aufarbeitung der Vita des Dichters und der deutschen Vergangenheit: "Die haben Außergewöhnliches geleistet". SPD-Fraktionschef Axel Imholz versicherte noch einmal, dass es der SPD nicht um die Störung des Koalitionsfriedens gehe, sondern um die Sache. Befriedigt stellte er fest, dass es den früheren Namensverteidigern nicht mehr darum gehe, Dietz reinzuwaschen. Imholz pochte allerdings auf die Abstimmung. Die Jamaika-Mehrheit lehnte den SPD-Antrag erwartungsgemäß ab.

Ihr Namenspatron war wieder Stein des Anstoßes: die Rudolf-Dietz-Schule in Naurod.Archiv/Heymann


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