Samstag, 11. Februar 2012 17:59 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Mit 120 Metern ein Mega-Gemälde

29.06.2009 - WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

KUNSTPROJEKT Frank Dengel von der Klingenmühle initiiert Vorhaben/Erlös auch für "ihnen leuchtet ein Licht"

Das Internet machte es möglich: Eine Künstlergruppe lernt sich kennen und verwirklicht ihre erste Großaktion. Ideengeber ist der Wiesbadener Frank Dengel, der in der "Klingenmühle" zwischen Breckenheim und Wildsachsen wohnt und dort genügend Platz hat, um ein gar weltrekordverdächtiges Projekt anzugehen: Das "längste politische Gemälde der Welt".

Armut in Deutschland, so lautete das Thema, das sich die Künstler gestellt haben. Seit fünf Monaten wurde im Online-Forum darüber diskutiert und ein Förderverein gegründet, denn die Malerinnen und Maler wollten nicht nur den Pinsel schwingen, sondern auch einem guten Zweck dienen: So kommen alle mit dem Event verbundenen Spenden und die Erlöse einer Online-Auktion von anderen Werken der beteiligten Künstler der Kurier-Aktion "ihnen leuchtet ein Licht" sowie der Evim-Straßenkinderhilfe "Upstairs" zugute.

Kreativ am langen Bauzaun

"Dass es Armut direkt vor der Haustür gibt und nicht nur in der Dritten Welt, und dass man darauf auch mit künstlerischen Mitteln aufmerksam machen kann, wollten wir hier zeigen", sagte Dengel. Auf dem Gelände der Klingenmühle konnte gezeltet werden, die Malaktion war professionell vorbereitet: An einem langen Bauzaun waren die Leinwände von 120 Metern Länge aufgehängt worden, ein Plastikdach schützte vor Regen. Malutensilien hatten die zum großen Teil aus dem süddeutschen Raum stammenden Künstler im Alter von 18 bis 72 Jahren selbst mitgebracht.

Die Kommunikation zwischen ihnen war hervorragend, sagen beispielsweise Franz Bürger aus Kusel und Axel Fritsch aus Nürnberg. Bürger arbeitet an einer großen Blume, gelb und rot, die sich aus schwarzen, angedeuteten Hochhäusern erhebt. "Ich möchte noch das Logo der Tafeln einbinden", sagt der Pfälzer, dem zum Thema Armut die segensreiche Arbeit der Lebensmittel-Verteiler eingefallen ist.

Ein bisschen plakativ

Axel Fritsch, der auch sonst mit Mitteln der Kunst den Finger in politische und soziale Wunden legt, zum Beispiel Bilder gegen Rechtsradikalismus oder mit Kindern in Afrika gemalt hat, hat einen in den Tiefen des Meeres versinkenden Euro gemalt. Ein bisschen plakativ sind manche Bilder schon, verwenden oft die Farben der deutschen Fahne.

Es soll auch nicht die letzte Aktion von "Künstler gegen Armut" sein, verspricht Frank Dengel, der sich selbst mit dem Bild "Schlange der Demütigung" beteiligt hat. Es zeigt eine anonyme Menschenreihe beim Warten vor einem Büro. "Im nächsten Jahr werden wir eine Großaktion im Ruhrgebiet machen, die wir sozusagen mit Kunst überziehen wollen". Und das längste politische Gemälde der Welt wird in einer Wanderausstellung durch die Lande touren. Interessenten, zum Beispiel das hessische Ministerium oder die Stadt Kaiserslautern, haben sich bereits gemeldet.

Benefizaktion gegen Armut in Deutschland: Mandy Kopp gehört zu den Künstlerinnen und Künstlern, die sich in dem Projekt engagieren.wita/Müller


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