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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Wo können Vierbeiner ohne Leine laufen?

31.07.2007 - WIESBADEN

Von Julia Anderton

Stadt will keine extra Wiesen einrichten / Landwirte klagen über Haufen auf den Feldern / Nur eine einzige private Gassi-Freifläche bei Infraserv

Die Gefahrenabwehrordnung regelt, wo Hunde an der Leine zu führen sind. Doch viele Besitzer halten sich nicht daran - schließlich haben sie ohnehin wenig Möglichkeiten, ihre Vierbeiner frei herum toben zu lassen. Rund 8 000 Hunde sind in Wiesbaden gemeldet. Sie alle dürfen im Prinzip ohne Leine in Innenstadt und Vororten laufen, es sei denn, sie befinden sich in der Fußgängerzone, auf Brücken, Treppen, in Unterführungen, Grünanlagen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies ist in der Gefahrenabwehrverordnung eindeutig geregelt und wird von den Hilfspolizisten kontrolliert - kommt es wiederholt zu Verstößen, wird ein Bußgeld von 25 Euro fällig. Ebenso muss ein Vierbeiner angeleint werden, wenn er den Wesenstest nicht bestanden hat, der für Kampfhunde und bissige Exemplare anderer Rassen verpflichtend ist. Fällt der Wesenstest positiv aus, kann auch ein Kampfhund frei herum laufen, was allerdings bei vielen Passanten nicht gerade Begeisterung hervor ruft. Jährlich werden im Durchschnitt beim Wiesbadener Ordnungsamt jedoch nicht einmal zehn Bisse (und zwar durch alle Rassen) gemeldet, betont Stadtsprecher Siggi Schneider. "Ich halte aggressive Hunde in Wiesbaden für kein Problem. Aber es gibt vereinzelt Leute, die die Verantwortung, die sie für das Tier haben, nicht wahrnehmen." Und überhaupt liege das Problem bei auffälligen Hunden ohnehin zu 90 Prozent am anderen Ende der Leine, weil einige Menschen falsch mit ihrem Tier umgehen. Vielen Hundehaltern ist es aber ein Bedürfnis, ihrem Vierbeiner ein artgerechtes Dasein zu ermöglichen. Und dazu gehören auch ausgedehnte Spaziergänge. "Das Bewegungsbedürfnis eines Hundes ist enorm," sagt Dr. Heidi Bernauer-Münz, Tierärztin mit verhaltenstherapeutischer Zusatzausbildung in Wetzlar. Doch einfach nur laufen lassen, reiche nicht: "Er muss körperlich und geistig ausgelastet sein." Hunde besäßen einen Explorationsdrang, durch den sie mit allen Sinnen die Umwelt erkunden. Werde dieser durch die kurze Leine unterbunden, handele es sich nicht um eine artgemäße Haltung. Zudem bereitet Hunden das Schnuffeln in der Asphaltwüste weit weniger Vergnügen als ein Aufenthalt im Grünen. In Grünanlagen herrscht jedoch Leinenpflicht, weswegen es immer wieder zu Konflikten zwischen Parkbesuchern und Hundebesitzern kommt, wenn diese ihre Tiere dennoch frei laufen lassen. Dennoch sieht das Grünflächenamt keinen Anlass, spezielle Hundewiesen einzurichten. "Aufgrund des vorherrschenden hohen Nutzungsdrucks von Erholungssuchenden und Freizeittreibenden gibt es im innerstädtischen Raum keine Möglichkeiten, solche einseitigen Nutzungsflächen festzulegen", erklärt Siggi Schneider. "Das Grünflächenamt geht davon aus, dass auch in den Außenbereichen der Stadt genügend Freilaufflächen für Hunde vorhanden sind, welche gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto zu erreichen sind." Und so karren viele Städter ihre Vierbeiner an den Stadtrand, um ihnen einen artgerechten Auslauf auf den Feldern zu gönnen. Die Landwirte sind davon allerdings weniger begeistert: "Seit es den Leinenzwang gibt, sind einige Felder zu Hundeklos geworden", sagt Kreislandwirt Bernd Eismann. Besonders betroffen seien Erbenheim, Bierstadt und auch Hochheim. Vor allem während der Erdbeerernte habe es große Probleme gegeben, weil die abdeckende Folie und somit viele Früchte durch die vielen Pfoten zerstört wurden. Das Gleiche gilt für die demnächst zur Ernte anstehenden Zuckerrüben, denen bereits Schäden zugefügt wurden. Und wenn ein Hund seinen Haufen im Heu hinterlässt, kann der Bauer es seinen Tieren nicht mehr als Futter geben. Stattdessen im Wald Gassi zu gehen, sei auch nicht immer eine Lösung, weiß Eismann. So gilt etwa zwischen April und Juni Leinenzwang, wenn die Rehe Nachwuchs haben, denn die Kitze stehen jagenden Hunden dann völlig hilflos gegenüber. "Die Jagdpächter sind auch sonst nicht glücklich, denn wenn ein Hund die Spur von Wild aufnimmt, ist er kaum zu stoppen." Eismann hat selbst einen Vierbeiner, der viel Auslauf braucht. Deswegen würde er ausgewiesene Hundeplätze sehr begrüßen. "Die Stadt sollte prüfen, ob man das nicht von der Hundesteuer finanzieren kann." Eine private Hundewiese gibt es übrigens bereits: Sie befindet sich an der Rheingaustraße bei InfraServ. Allerdings verschmutzen zum Bedauern von Hans Jürgen Brunnenstein, Betriebsleiter der Abteilung Garten- und Landschaftsbau von InfraServ, immer wieder Hundehaufen den angrenzenden Leinpfad. Damit die Wiese besser angenommen wird, hat der Gärtnermeister nun eigens ein Hinweisschild aufgestellt. "Außerdem werden wir die Wiese ab jetzt öfter mähen."


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