Von Angelika Eder
Ausbildung zum Seniorenbetreuer bei der VHS abgeschlossen / Neuer Kursus im Mai
WIESBADEN Elf Frauen und ein Mann haben sich an der Volkshochschule als Seniorenbetreuer qualifiziert. Sechs Monate lang absolvierten die Kursteilnehmer, die zwischen 35 und 60 Jahre alt sind, insgesamt 250 Ausbildungsstunden.
Auf dem Lehrplan standen Altersforschung und -medizin, Kommunikation, Umgang mit Verwirrtheit und Demenz, Altengerechtes Wohnen, Erste Hilfe für Senioren, sozialrechtliche Themen wie Betreuungsrecht und Pflegeversicherung sowie Existenzgründung. Jetzt konnten 12 neu ausgebildete Seniorenbetreuer ihre Zeugnisse, mit denen sie sich im Dienste alter Menschen selbständig machen dürfen, nach erfolgreicher Abschlussprüfung von Kursleiterin Cathrin Raasch, Diplom-Psychologin, und Edith Mädche, Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe, entgegennehmen. Der Lehrgang "Helfende Hände, die wissen, was sie tun" war erstmals aufgrund entsprechender Nachfragen zum Zwecke der beruflichen Qualifikation angeboten worden, wie Marianne Latsch, Geschäftsführerin der Akademie für Ältere, erklärte. Die früheren VHS-Angebote durften aufgrund der Förderung vom Sozialministerium ausschließlich für ehrenamtliche Aufgaben genutzt werden. Zu den Absolventen des 1530 Euro teuren Kurses zählt die 52-jährige Ulrike Gartenbach. Sie habe früher als Pharmazeutisch-technische Assistentin in einer Apotheke und als Verkäuferin in einer Boutique gearbeitet, aber nun erst die Aufgabe gefunden, bei der sie ihre "Mitte finden" könne. Von der Großmutter aufgezogen, fühle sie sich schon immer zu alten Menschen hingezogen: "Ich mag ihre Natürlichkeit, ihre Erfahrung und ihr Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung." Künftig werde sie in einem Altenheim nachmittags Demenzkranke betreuen und außerdem stundenweise Senioren helfen, die zu Hause leben. Ihnen bietet sie ihre Hilfe beim Einkaufen an, bei Haushaltsorganisation, Spaziergängen, Friedhofsbesuchen oder auch einfach Gespräche und Singen. Für diese neue berufliche Aufgabe sei ihr Entscheidendes in dem Kurs vermittelt worden, beispielsweise die angemessene Kommunikation mit Dementen: "Ich lasse das stehen, was sie sagen, stelle mich darauf ein und versuche nicht, sie eines Besseren zu belehren." Eben das unterstreicht auch die 40-jährige Petra Tölle, die im Seniorenzentrum Walluf in der Verwaltung tätig ist, sich aber künftig nebenher der häuslichen Betreuung eines Dementen widmen will. Ehefrau und Kinder des Schlaganfallpatienten kämen mit der Situation zu Hause nicht gut zurecht, so dass sie "Ruhe in die Familie reinbringen und vermitteln" wolle. Erst jetzt - nach Absolvieren der Fortbildungsmaßnahme - sei sie dazu in der Lage. Früher hätte eine Seniorin im Zentrum sie noch zur Weißglut bringen können, wenn sie 20 Mal am Tag gefragt habe: "Wann gibt es Mittagessen?" Heute führe sie ein Gespräch mit ihr. "Aber ich habe auch meinen Blickwinkel geändert und eine Wertschätzung für alte Menschen entwickelt, die dank ihrer Erfahrung so viel geben können." Wer am nächsten VHS-Seniorenbetreuungskurs (ab 8. Mai) teilnehmen und sich diesbezüglich für ein Stipendium der Werner- und Gretchen-Neumann-Stiftung bewerben möchte, erfährt Näheres in der Akademie für Ältere. Dasselbe gilt für Interessenten, die einen der Kursabsolventen für Senioren zu Hause engagieren wollen: Tel. 0611-9889162 oder www.senioren-begleiter.de

