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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Cool bleiben, wenn´s brennt

30.04.2007 - WIESBADEN

Von Stefan Weiller

Bei inszeniertem Rathausbrand proben rund 90 Jugendliche den Ernstfall

WIESBADEN Fasziniert beobachteten am Samstag zahlreiche Zuschauer eine Übung der Feuerwehr auf dem Schloßplatz: Rund 90 jugendliche Floriansjünger zeigten dort bei einem simulierten Brand im Rathaus, was sie gelernt hatten.

Das Rathaus brennt. Den vorher makellos blauen Himmel trüben - zum Glück nur künstliche - Rauchschwaden. Aber der elfjährige Mark Nitzold aus Frauenstein strahlt über das ganze Gesicht, selbst künstlich blutende Wunden und rußgeschwärzte Wangen können seine Freude über das Ereignis nicht verringern. Und das hat einen besonderen Grund: Mark - seit wenigen Monaten Mitglied bei der Jugendfeuerwehr Frauenstein - durfte am Samstag seinen ersten Großeinsatz erleben. Er spielte eines der Opfer, das beim fiktiven Großbrand des Wiesbadener Rathauses den Flammen gerade nochmal entronnen ist. Marks dramatische Gesten und seine schmerzverzerrte Miene lassen die Szenerie möglichst echt erscheinen. Bereits ein halbes Jahr hatte der Stadtjugendfeuerwehrverband Wiesbaden in Zusammenarbeit mit elf Jugendfeuerwehren das Geschehen geplant: Im Archiv des Rathauses bricht durch einen unachtsamen Raucher ein Feuer aus. Mehrere Personen werden verletzt, es herrscht sogar Explosionsgefahr. Mit der Zeit steigert sich der Alarm bis auf Stufe drei. "Bei jeder Stufe rücken mehr Fahrzeuge, Personen und Material an", sagt Verena Christ. Da heiße es, cool zu bleiben und besonnen zu handeln. Kenntnisreich erklärt die ehrenamtliche Feuerwehrfrau zum Ablauf der Übung, dass sämtliche Vorgänge weitgehend in "Echtzeit" vollzogen werden: vom ersten Alarm bis hin zum Eintreffen der roten Einsatzfahrzeuge. Auf dem Papier hätte sogar ein Rettungshubschrauber einfliegen sollen, aber diesmal beschränkt man sich darauf, die vermeintliche Landefläche freizuhalten - alles andere wäre zu teuer geworden. Doch auch ohne Rettung aus der Luft bietet sich den Zuschauern ein eindrucksvolles Bild aus dem Alltag der Feuerwehr. Stolz erfüllt die Beteiligten, als Übungsareal diesmal ausgerechnet das Rathaus im Herzen der Stadt nutzen zu können. "Dieses Objekt ist ein Highlight", begeistert sich Jungfeuerwehrmann Tim Dittel, der Fachgebietsleiter Jugendforum. "Natürlich geht es uns um Nachwuchswerbung", sagt Moritz Hauff. Auch er ist schon seit jungen Jahren begeisterter Floriansjünger in einer von Wiesbadens 19 Jugendfeuerwehren. Obwohl sich bei der "Trockenübung" durch die Jugendlichen ab zehn Jahren jede Menge Wasser aus 15 Strahlrohren über die Rathausfassade ergießen sollte, darf diese Altersklasse noch nicht aktiv zur wirklichen Brandlöschung eingesetzt werden. Erst ab 18 Jahren ist es erlaubt, nach einem erfolgreich absolviertem Grundlehrgang zum Einsatz auszurücken. "Für das Verständnis von Zusammenhängen und Abläufen bringt diese Übung aber den Jugendlichen unheimlich viel", sagt der erfahrene Wehrführer Udo Stieglitz von der Feuerwehr Frauenstein. Außerdem zeige sich, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und dem Rettungsdienst vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) funktioniert, erklärt Sandra Fuzio vom DRK. Ihr Team reanimierte bei dieser Aktion ins bühnenreife Koma gefallene Brandopfer wie Mark. Der will aber bei der nächsten Übung garantiert die Seiten wechseln: raus aus der Opferrolle, hinein in die Feuerwehrkluft.


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