Max Schautzer moderiert den Wiesbadener Kongress / Plädoyer für ein neues Altenbild / BonoTV ab 2008
WIESBADEN Er ließ sich nicht kommentarlos vom Fernsehen zum "alten Eisen" aussortieren: Max Schautzers Antwort aufs Abservieren ist eine gründliche, die vielen Menschen in der "zweiten Lebenshälfte" gut gefällt. Anfang 2008 soll sein Sender BonoTV an den Start gehen.
Herr Schautzer, als die hessische Staatskanzlei Sie als "aufmüpfigen Älteren" zum Moderieren für den Kongress haben wollte, haben Sie sofort "Ja" gesagt? Schautzer: Ja, ich habe gleich zugesagt. Die Politik hat das Thema demographischer Wandel nun endlich entdeckt. Dabei ist es ja nicht wie ein Tsunami über uns gekommen. Es geht hier um ein generationsübergreifendes Thema. Ich glaube auch nicht, dass es eine CDU-Parteiveranstaltung wird, weil diese die Regierung in Hessen stellt. Erreicht man mit einer solchen Großveranstaltung auch Menschen, die sich bisher nicht für die Problematik interessierten? Schautzer: Ich bin öfter zu Diskussionen an Universitäten. Meine Erfahrung ist, dass gerade junge Leute das Thema demographischer Wandel reflektieren. Es geht schließlich um ihre berufliche und private Zukunft. So hat zum Beispiel die FH der Medien in Stuttgart das Thema vorbildlich multimedial aufgearbeitet, unter dem Titel "Du bist Demographie". Sie werden immer wieder gerne als Zugpferd eingeladen . . . Schautzer: Als ich vor drei Jahren mein Buch "Rock´n` Roll im Kopf, Walzer in den Beinen" vorstellte, war ich ein einsamer Rufer in der Wüste. Ich outete mich. Damals hat man nicht über das Alter gesprochen, oder darüber, dass es bald zu wenig Fachkräfte geben wird, so dass der Beschäftigung der Älteren eine große Bedeutung zukommt. Es sei denn, man wollte die Sache durch Zuwanderung regulieren. Sie werden auch die Bundeskanzlerin befragen. Haben Sie Angela Merkel eine Botschaft mitzugeben? Schautzer: Erst will ich einmal hören, was die Bundeskanzlerin uns zu sagen hat. Einige Male aber habe ich schon erlebt, dass die Politiker richtig aufmerksam werden. Wie zum Beispiel Guido Westerwelle, der in Berlin nur zu einem Grußwort zu einer solchen Veranstaltung kommen wollte und dann alle Termine absagte, um den ganzen Tag die Foren zu verfolgen. Eines der Foren in Wiesbaden befasst sich mit dem Arbeiten im Alter. Wie sieht denn so Ihr Arbeitstag mit 67 aus? Schautzer: Ich habe gerade zusammen mit Dietz-Werner Steck sieben Wochen Theater in Stuttgart gespielt, Neil Simons "Sonny Boys". Da waren 50 Vorstellungen ausverkauft, das Stück dreht sich um zwei alternde Komiker. Im übrigen rede ich eher von Beschäftigung als von Arbeit. Im fortgeschrittenen Lebensalter geht es nicht unbedingt um eine bezahlte Tätigkeit. Die Menschen wollen sich einbringen, ihre Erfahrung weitergeben. Das tue ich persönlich auch mit zahlreichen Ehrenämtern bei Wohltätigkeitsorganisationen. Wie weit ist denn der von den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern verschmähte Max Schautzer mit seinem Sender BonoTV gediehen? Schautzer: Es geht weiter. Meine Partner und ich setzen uns nicht unter Druck, aber Anfang 2008 wollen wir starten. Derzeit bereden wir mit unseren Investoren die endgültigen Vorstellungen. BonoTV ist für Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Wir sagen bewusst nicht 50 plus. Wir wollen Brücken bauen zwischen den Generationen. Und wir definieren das nicht nach Lebensalter. Es gibt 40-Jährige, die sind Greise, und es gibt zum Beispiel 90-jährige Frauen, die Schach spielen. Sie sind überzeugt vom Erfolg Ihres Senders? Schautzer: Ja, es gibt im Vorfeld sehr viel Zustimmung und viele Anfragen. Wir werden ein breit gefächertes Angebot bringen. Das Fernsehen ist doch vielen Menschen heute zu einspurig. Auch junge Leute interessieren sich für unsere Pläne. Sie pflegen den Kontakt mit jungen Leuten sehr? Schautzer: Aber ja. Man kommt ins Gespräch, auch manchmal darüber, dass die Omis alte Sendungen mit mir schön fanden. Mit "Pleiten, Pech & Pannen" hatte ich übrigens Jung und Alt erreicht. Viele Jüngere sagen mir heute: `Fernsehen interessiert mich nicht´, weil ihnen die Auswahl nicht gefällt. Aber ein solcher Sender muss auch wirtschaftlich Erfolg haben. Schautzer: Klar, wir können nicht nur nach Bauchgefühl Fernsehen machen. Wir müssen natürlich Marktforschung betreiben. Aber wir sind schon weit. Jetzt in den letzten Verhandlungen, da geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Und wir brauchen natürlich ein kompetentes Team. Das müssen nicht nur ältere Kollegen sein. Gibt es schon Namen? Schautzer: Es haben sich einige prominente TV-Gesichter von sich aus gemeldet. Wir brauchen ja auch bekannte Leute mit Sachkompetenz. Und Sie selber, wollen Sie wirklich nicht mehr vor die Kamera? Schautzer: Das ist nicht mein erster Gedanke. Sollte es ein Format für mich geben und der Sender mich dafür brauchen, dann könnte es möglich sein, dass ich etwas mache. Kommen wir wieder zu einem Thema des Kongresses. Machen Sie und Ihre Frau sich Gedanken, wie Sie leben wollen/werden, wenn man fremde Hilfe braucht? Stichwort: "Miteinander - Jung und Alt". Schautzer: Ja, wir machen uns Gedanken. Im Alter will man heute wieder verstärkt zurück in die Urbanität. Früher wurden Altenheime am Stadtrand gebaut, das war falsch. Es gibt heute viele vorbildliche Einrichtungen, ich kenne sie aus der Zeit meiner Tätigkeit fürs Fernsehen. Und Sie und Ihre Frau, wie wollen Sie leben im Alter? Schautzer: Wir denken schon daran, dass wir aus unserem Haus in Köln eines Tages in eine Wohnung umziehen werden. Aber an einem Plan "Alt und Jung zusammen", daran habe ich Zweifel. So manches dieser Projekte, das ich verfolgen konnte, ist schief gelaufen. Es lässt sich nicht immer alles so einfach harmonisieren. Gibt es einen prominenten Alten, den Sie so richtig bewundern? Schautzer: Johannes Heesters. Wir sind in der selben Agentur. Ich bewundere seine Vitalität und seine Disziplin. Wie er heute noch die Rollen lernt, obwohl er nichts mehr sieht. Gerade nimmt er wieder eine Weihnachts-CD auf. Er will sich immer fordern. Wer das tut, bleibt gesund. Ist das eine Botschaft von Ihnen an die Älteren? Schautzer: Ja, jeder kann etwas für seine körperliche und geistige Beweglichkeit tun, sein Gedächtnis trainieren. Da hilft doch schon das Kreuzworträtsel. Sich fallen zu lassen, heißt, alt zu werden. Haben Sie ein Lebensmotto? Schautzer: Mensch bleiben. Das Gespräch führte Ingeborg Salm-Boost

