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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Die Fallensteller sollen auf die Anklagebank

17.01.2009 - WIESBADEN

Von Wolfgang Degen

Die Staatsanwaltschaft nennt die Internet-Angebote der früheren Hochheimer Firma New Ad Media Betrug

Die Staatsanwaltschaft hat nach einem überaus aufwändigen Ermittlungsverfahren Anklage erhoben gegen Brian und Michael C. aus Hochheim. Der jetzt 23-jährige Sohn Brian gilt als Drahtzieher eines groß angelegten Internet-Betrugs, ihm werden 1 638 Fälle des Versuchs und 66 vollendete Fälle vorgeworfen. Seinem Vater wird Beihilfe vorgeworfen.

Auf Vater Michael lief seiner Zeit die Firma New Ad Media in der Wallauer Straße, offiziell eine Softwareberatungsfirma. Deren Treiben hatte ab November 2005 die Wiesbadener Staatsanwaltschaft beschäftigt, bis Anfang 2006 waren knapp 1 500 Strafanzeigen eingegangen. In Wiesbaden wurde ein Sammelverfahren geführt. Im Internet trommelten genervte Verbraucher dafür, dass Geschädigte Anzeige erstatten sollten, damit den Abzockern das Handwerk gelegt werden könne. Der Beschwerde- folgte die Anzeigenflut. Die Ermittlungsunterlagen füllten nach Angaben der Staatsanwaltschaft schließlich schätzungsweise 100 Aktenordner.

Die Hochheimer hatten ab Frühjahr 2005 unter anderem unter der Bezeichnung probino.de einen "Warenprobeneintragsservice" und Gutscheine angeboten, unter winow.de die Eintragung in monatlich 150 Gewinnspiele angekündigt. Weitere von ihnen betriebene Internetseiten waren gamesite.de, movieabo.de und simsen.de.

Es waren Köder, um die Aufmerksamkeit von Internet-Nutzern zu wecken, tatsächlich steckten dahinter getarnte Kostenfallen. Wer hinein tappte, bekam flugs eine Rechnung über angeblich erbrachte Leistungen, ein verstecktes Zweijahres-Abo zum Beispiel. Für sieben Euro pro Monat. Andere Geschädigte schworen Stein und Bein, nie auf den betrügerischen Internetseiten gewesen zu sein, die Anmeldung nie ausgefüllt zu haben. Gleichwohl kamen Rechnungen und Mahnschreiben. Um Druck zu machen und das Geld einzutreiben, bedienten sich die Hochheimer der Dienste eines Inkassobüros. Die Hochheimer Firma ist längst pleite gegangen.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Drahtzieher Brian C. habe nie die Absicht gehabt, die Verträge zu erfüllen. Es sei ihm von vornherein nur ums Abkassieren gegangen, nichts anderes habe hinter dem Geschäftsprinzip gesteckt. Von wegen Warenproben. Die Abo-Fallen im Internet haben sich längst zu einer "Pest" entwickelt, klagen Internet-Nutzer und Verbraucherschützer.

Die Lockangebote waren nicht nur fauler Zauber, sie waren auch Betrug, so die Anklage.Screenshot


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