Von Juliane Venema
Private Unterbringung gefährlicher Tiere ist seit fast einem Jahr verboten/Interessengemeinschaft fordert Tüv für Züchter
Der Gedanke an Giftschlangen oder Krokodile mag bei so manch einem für Gänsehaut sorgen. Doch als Haustiere haben als gefährlich eingestufte Tiere ihre Fans. "Die Haltung solcher Tiere hat in den letzten Jahren zugenommen", sagt die Leiterin des Artenschutzdezernats des Regierungspräsidiums Darmstadt, Gabriele Fillbrandt. 2515 dieser Tiere sind derzeit in der Region Rhein-Main/Südhessen gemeldet. Davon werden knapp 50 solcher Tiere in Wiesbaden gehalten. Giftschlangen kommen mit 1690 Vertretern am häufigsten vor. 1690 Schlangen in Region Die nicht gewerbsmäßige Haltung gefährlicher Wildtiere ist in Hessen seit dem 9. Oktober 2007 verboten. Allerdings können, wie das Regierungspräsidium Darmstadt schreibt, Besitzer ihre bereits vor dem 9. Oktober 2007 angeschafften Tiere behalten, wenn sie bis zum 30. April 2008 dem Regierungspräsidium schriftlich gemeldet wurden. Als gefährlich gelten Tiere, die im ausgewachsenen Zustand Menschen durch Körperkraft, Gift oder Verhalten erheblich verletzen können. Darunter zählen neben einigen Säugetier- und Riesenschlangenarten vor allem Krokodile, Giftschlangen, Spinnen und Skorpione. Bei verbotswidriger Haltung droht eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro. Zudem können die Tiere sichergestellt und eingezogen werden. So soll die Bevölkerung vor Gefahren, die von diesen Tieren ausgehen, geschützt werden. "Das Verbot ist unausgegoren", meint Thomas Wilms vom Frankfurter Zoo. Es sei kein Fall, in dem ein solches Tier einen Menschen angegriffen hat, bekannt. "Uns sind keine Fälle gemeldet", sagt auch Fillbrandt vom Regierungspräsidium. Allerdings wolle die Politik vorsorgend einschreiten. Immer mehr würden solche Tiere über das Internet verkauft. So könnten unerfahrene Halter exotische Tiere ohne jegliche Beratung erhalten und dies sei für Mensch und Tier gefährlich. "Es wird vermehrt illegale Haltungen geben", urteilt Säugetierexperte Wilms hingegen. Zudem sollten von Behörden eingezogene Tiere im Zoo untergebracht werden. "Behörden haben schon versucht, gefährliche Tiere bei uns abzugeben", so Wilms. "Aber wir haben wenig Platz." Seit dem Verbot hätte man noch keine illegal gehaltenen Tiere einziehen müssen, sagt Fillbrandt. Solle das jedoch der Fall sein, müsse man die Tiere in der Tat in Zoos unterbringen. "Wir wissen, dass dies nur begrenzt möglich ist", betont Fillbrandt. "Im Notfall muss das Land Hessen Experten mit der Tierhaltung beauftragen." "Es wäre besser gewesen, für Halter eine Art Tüv einzuführen", meint Wilms. Viele Halter hätten ein nachvollziehbares, oft wissenschaftliches, Interesse an exotischen Tieren. Daher haben Halter mittlerweile auch die Interessengemeinschaft "Exoten in Hessen" gegründet. "Die meisten Halter verfügen über Sachkenntnisse und langjährige Erfahrung", sagt Gründungsmitglied Gerhard Finke. "Viele setzten sich auch wissenschaftlich mit diesen Tieren auseinander. "Verbot trifft uns hart" Das Verbot der Zucht trifft uns hart, denn uns ist der Fortbestand dieser zum Teil seltenen Tiere wichtig." Er befürworte, die Haltung und Zucht dieser Tiere unter Auflagen zu erlauben. "Sachkenntnisse der Besitzer, artgerechte Haltung und Sicherheitsvorkehrungen sollten überprüft werden," sagt Finke. "Sicherheit heißt zum Beispiel bei Giftschlangen, dass sich ihr Terrarium in einem abgeschlossenen Raum mit vergitterten Fenstern befindet. Zudem muss eine Klinik, die Serum vorrätig hat, in der Nähe sein." "Sicher haben Tierbesitzer Vorbehalte gegen das Verbot geäußert", sagt wiederum Fillbrandt. Aber immerhin hätten alle vier Fraktionen im Landtag das Verbot unterstützt.

