400 000 Euro-Fund im ICE: Bahn wittert in Fragen zum Finderlohn eine Medienkampagne
deg. WIESBADEN Ein bundesweites Echo hat die Kurier-Berichterstattung über den 400 000 Euro-Fund in einer Zug-Toilette ausgelöst. Ein Rentner hatte das Geld gefunden. Er nennt die Bahn "knausrig": Die würde nur den gesetzlichen Finderlohn von etwa 6 000 Euro überweisen.
Bis Anfang Oktober 2009 kann sich der Eigentümer der Geld-Tüte melden, Ansprüche geltend machen. Drei Jahre wird der am 3. Oktober 2006 in einem ICE entdeckte Fund aufbewahrt. Dem Rentner stünden etwa 6 000 Euro Finderlohn zu. So das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das eine Berechnungsformel für Funde in einer "Verkehrsanstalt" beinhaltet. Die Bahn ist eine solche. Das Verhältnis zwischen Fund und möglichem Finderlohn klaffe in diesem Fall zu weit auseinander, beklagen der Finder und sein Anwalt. Das Gesetz regele den Mindestanspruch, die Bahn könne die Summe aber aufstocken. Ein Sprecher der Bahn in Frankfurt reagierte gestern in einer Stellungnahme ungehalten: Er wittert eine Kampagne, um Druck auf die Bahn auszuüben. Es könne doch kein "Zufall" sein, dass es "überall" bei seinen Kollegen Anfragen der Medien gegeben habe. "Bundesweit geht diese Geschichte rum". Das lässt für ihn nur den Schluss zu, das Ganze sei eine initiierte Medienaktion. Damit liegt er allerdings völlig falsch: Medien-Kollegen hatten den Kurier gelesen. Die Bahn will sich zum Finderlohn nicht äußern. Es mache keinen Sinn, das Fell eines Bären zu verteilen, wenn das Tier noch nicht erlegt ist, so der Sprecher. "Was ist, wenn sich der Verlierer noch meldet?" Es werde sich niemand melden, glaubt die Polizei. Sie hatte Scheine und Tüte auf Spuren untersucht, gebracht hatte das nichts. Im Oktober 2009 werde der Finderlohn Thema. "Sie werden von uns bis dahin keine andere Botschaft hören", so der Bahn-Sprecher. Die Bahn habe "bessere und wichtigere Dinge zu tun". Sie werde "keine Spekulationen anstellen" zum Finderlohn. "Auch Sie werden uns nicht dazu anstiften", schiebt er nach. Die Bahn halte sich strikt ans Gesetz, betont er, und da sei es egal, "ob 5 000 Euro oder drei Milliarden Euro gefunden werden, oder jeden Tag eine Million". Immerhin bestätigt er, dass die knapp 400 000 Euro des Rentners als Bahn-Fundsache "in dieser Dimension einzigartig" sind.

