Von Christoph Cuntz
Im Prozess gegen Aleksander Ruzicka sagte ein Media-Planer der Aegis-Tochter Carat aus
Im Prozess gegen die früheren Manager Aleksander Ruzicka und David L. hat gestern ein Media-Planer der Carat ausgesagt, einer Tochter von Aegis Media, die durch die Angeklagten um knapp 52 Millionen Euro geprellt worden sein soll. Mehr als neun Millionen Euro davon waren nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft über die Werbeagentur des hessischen Europaministers Volker Hoff (CDU), Zoffel Hoff Partner, veruntreut worden. Diese Werbeagentur, sagte der Zeuge, habe als "besonderer Kunde" gegolten. Dies aus zwei Gründen: Zum einen sei ZHP als "strategisch wichtig" dargestellt worden, weil über die Werbeagentur neue Kunden gewonnen werden sollten. Dieses Vorhaben war aber "nicht so erfolgreich wie erhofft". Zum anderen habe ZHP von Aegis unvergleichlich günstige Konditionen bekommen. Diese seien "auf höchster Ebene abgestimmt worden", nämlich mit Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka sowie mit Heinrich Kernebeck, Ex-Geschäftsführer der Aegis-Tochter Carat. Kernebeck hat die Staatsanwaltschaft wegen Untreue angeklagt, das Landgericht hat die Anklage nicht zugelassen, die Beschwerde ist beim Oberlandesgericht anhängig. Gegen ZHP-Geschäftsführer Reinhard Zoffel ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Untreue, gegen Minister Hoff nicht. Einer der Kunden, die ZHP für Aegis akquirieren konnte, war die Südtirol-Marketing Gesellschaft (SMG), so der Media-Planer. Das Budget der Kampagne, die die landeseigene SMG geschaltet hatte, habe zwischen einer und drei Millionen Euro gelegen. Wie berichtet, ermittelt in diesem Zusammenhang die Finanzwache in Bozen. Es geht unter anderem um das Internet-Portal "Bestof Südtirol", für das Hoteliers und SMG Geld gegeben hatten. Im Zuge dieser Kampagne waren nahezu 1600 Werbespots gesendet worden. Es waren Freizeiten, die die Aegis Media als Rabatt von privaten Fernsehsendern erhalten hatte, für deren Ausstrahlung das Unternehmen aber keinen Cent bekommen hatte. In Südtirol hatte Zoffel erzählt, die Werbezeiten habe die BestofMyWorld AG geliefert, eine Gesellschaft, die in Volker Hoffs Wohnhaus residierte, deren Gesellschafter neben ZHP auch Ruzicka und Kernebeck waren. Der gestern gehörte Zeuge betreut bis zu 20 Kunden der Aegis, darunter seit 2006 das Bundespresseamt und die CDU-Bundesgeschäftsstelle. Der Media-Planer sagte, die CDU - der die Aegis-Tochter Carat im Jahr 2002 eine Spende von 50 415,85 Euro überwiesen hatte - sei "Traditions-Kunde". Dass der CDU-Etat habe gewonnen werden können, sei den Kontakten Kernebecks zu verdanken. Der habe Aegis Media auch auf die Ausschreibung des Bundespresseamtes aufmerksam gemacht. Aegis habe ein Angebot abgegeben, dazu die geforderte Strategieplanung. Die Entscheidung zu Gunsten des Unternehmens sei "nach strengen Kriterien getroffen worden".

