Freitag, 03. September 2010 01:29 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

Der "Fall Lüderitz" endet mit Entlassung

19.04.2008 - WIESBADEN

Kulturamt reagiert auf Beitrag über Ein-Euro-Jobber im Stadtarchiv in der ARD-Sendung "Panorama"

mag. Wilfried Lüderitz (62), seit 2006 Ein-Euro-Jobber im Wiesbadener Stadtarchiv, wird von seiner Hartz IV-"Maßnahme" entbunden. Seine Entlassung ist die Folge eines Beitrags in der ARD-Sendung "Panorama", die am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde. "Ich musste die Notbremse ziehen", sagte Kulturamtsleiter Arno Fischer zum Kurier. Fischer begründet Lüderitz´ Entlassung damit, dieser habe entgegen Dienstanweisungen eigenmächtig und rechtswidrig den Briefkopf der Stadt verwendet. Damit sei er, Fischer, während des "Panorama"-Interviews plötzlich konfrontiert worden. Ebenso mit einem schriftlichen "Vermerk" von Lüderitz, aus dem hervorgehe, dass ihm die Leiterin des Stadtarchivs Brigitte Streich empfohlen habe, sich für eine BAT II-Stelle als Leiter des Bildarchivs zu bewerben. Streich aber, sagt Fischer, habe ihm versichert, eine solche Empfehlung nie gegeben zu haben. "Der behauptet alles Mögliche", sagte Wilfried Lüderitz über Amtsleiter Fischer, der gestern Abend vom Kurier die Nachricht von seiner Entlassung erfuhr. Über die er sich übrigens nicht wunderte: "Das sind die üblichen Methoden." Sein Briefkopf sei "völlig legal" gewesen, genauso wie seine E-Mail-Adresse, die ihm die Stadt eingerichtet habe. Lüderitz ärgert sich aber darüber, dass der neue Leiter des Bildarchivs, der frühere Referent der Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) Georg Habs, ohne seine, Lüderitz´, Arbeit gar nicht mit seinem Job klargekommen wäre. Das "Panorama"-Interview mit Arno Fischer war schon vor etwa drei Wochen geführt worden. Die Entscheidung, Lüderitz zu entlassen, fiel aber erst gestern Mittag, wohl als Folge des Sendebeitrags. Für den Vollzug der Entlassung aus der HartzIV-Maßnahme ist das Amt für soziale Arbeit zuständig. Dessen Leiter Franz Betz meinte: "Wir werden in Kürze mit Herrn Lüderitz ein Gespräch führen und dann sehen, wie es mit ihm weitergeht." Laut Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD) wäre alles auf eine BAT V-Stelle hinausgelaufen, wenn sich Wilfried Lüderitz noch etwas in Geduld geübt hätte. Arno Fischer hatte hingegen im Februar im Sozialausschuss darauf hingewiesen hatte, dass kein Geld für eine weitere BAT V-Stelle vorhanden sei. "Wir haben es mit dem Opfer seiner selbst zu tun", sagte Fischer im Ausschuss. Jetzt meinte er: "Dumm gelaufen", aber er habe gar keine andere Wahl gehabt, als Lüderitz zu kündigen. Lüderitz´ Sicht, er sei nur deshalb nicht in eine ordentliche Beschäftigung übernommen worden, weil ihn die Kulturdezernentin auf dem Kieker habe, lässt Arno Fischer nicht gelten: "Ich glaube, Frau Thies kennt Herrn Lüderitz gar nicht." Unklar ist, wer Lüderitz im Stadtarchiv ersetzt. Der sah in seiner Arbeit stets eine reguläre und keine zusätzliche, wie es das Hartz IV-Gesetz vorschreibt. Er kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Kommentar


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