Von Alexandra Ehrhardt
Rundgang durchs Dambachtal soll über Fällungen und Waldwirtschaft aufklären
Mit einem "gut sortieren Kramladen" hat Diplom-Forstwirtin und Leiterin der Abteilung Landwirtschaft und Forsten, Sabine Rippelbeck, den Wiesbadener Stadtwald beim Spaziergang durch das Dambachtal verglichen. Vertreter des Ortsbeirats Nordost, der World Wide Fund For Nature (WWF) und der Naturschutzbeirat nahmen daran teil. Grund für den Informationsnachmittag waren Diskussionen mit Bürgern über Holzfäll-Arbeiten. "Aber nicht jeder gefällte Baum ist ein Verlust für die Natur", erklärte Jenni Glaser vom WWF zu Beginn des knapp zweistündigen Rundgangs durch das Forstgebiet. Mal sind es Spaziergänger, die den Förster Georg Heimen-Geerlings beim Auszeichnen der Bäume oder beim Absägen ansprechen. Dann wieder Bürger, die nach dem Anblick einer Fällung empört zum Telefonhörer greifen. "Meistens frage ich diese Leute dann, ob sie selbst Holz-Mobiliar in ihrer Wohnung haben und ob sie sich meiner Meinung anschließen, dass es besser ist, mit heimischen Holz zu arbeiten, statt es aus Übersee hier herzuschiffen", erklärt Heimen-Geerlings seine Argumentationsweise. Die oft grundlose Abneigung der Bürger gegen Baumfällungen wandelt er damit häufig ins Gegenteil um. Warum welcher Baum wann "dran glauben" muss, verdeutlicht der Förster mitsamt seiner Kluppe zum Bemessen des Baumdurchmessers und damit auch des Reifegrades eines Baumes direkt vor Ort nur wenige Meter von seinem Forsthaus entfernt. In dem 4 400 Hektar großen Mischwald, indem vor allem Buche, Eiche und etwas Nadelholz wachsen, wird jährlich ab Herbst vereinzelt geerntet. Reife Bäume werden verkauft, das Wachstum gesunder und wertvoller Bäume dadurch gleichzeitig gefördert. "Früher gab es einschichtige Wälder mit Bäumen, die alle etwa gleich alt waren. Heute setzen wir auf mehrschichtige Wälder, damit es genügend Licht für kleine Bäume gibt und diese aber auch im Schutz der älteren Bäume wachsen können", legt Rippelbeck dar und erläutert Ortsvorsteher Siegfried Graffy (CDU) auch gleich den "langen Rattenschwanz" an administrativen Vorgängen, die einer Fällung vorangehen. Einig sind sich Förster und Stadt darin, dass der Wald sehr schonend genutzt werden soll. Ein besonderes Augenmerk müsse man auf die Waldränder legen, die an bewohnte Flächen grenzten, um die Sicherheit der Anwohner und Spaziergänger zu wahren. "Unser Wald erfüllt drei Funktionen: Er dient der Erholung, dem Schutz und dem Nutzen", so Rippelbeck. Nur ein paar Schritte weiter stapeln sich kreuz und quer alte Äste rund um einen Baum. "Was so unordentlich aussieht, ist aber gewollt", betont Sabine Rippelbeck beim Blick auf den Totholz-Haufen. Dieser sei ein hervorragendes Biotop für viele Käfer- und Pflanzenarten und solle genauso wenig beseitigt werden, wie die mit einem Sternchen gezeichnete Buche. In dieser hat sich ein Specht eine Höhle gebaut. Hier bietet sich in kleiner Runde von an Naturschutz interessierten Bürgern eine gute Möglichkeit für Nina Griesshammer vom WWF, die Ziele des Qualitätssiegel FSC - für Forest Stewardship Council - zu erläutern. Das Siegel, das im Einklang mit wirtschaftlichen, sozialen und umweltfreundlichen Aspekten bewirtschaftete Wälder garantiert, wird für den Wiesbadener Stadtwald seit 1999 jährlich vergeben. "Also so was wie der Öko-TÜV", kommentiert Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne).

