Samstag, 11. Februar 2012 18:10 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Wiesbaden 

"Eine äußerst eloquente Dame"

04.01.2008 - WIESBADEN

Von Nicola Böhme

Wiesbadener Regisseur Philip Selkirk erinnert sich an Benazir Bhutto

WIESBADEN Im März 2005 bekam der Wiesbadener Regisseur Philip Selkirk Gelegenheit, ein Interview mit der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto zu führen. Dabei entstand sein Film "Tochter der Macht", der nach der Ermordung der Politikerin gefragter denn je ist.

"Anderthalb Jahre dauerte es, bis Benazir Bhutto sich entschied, mich zu empfangen", erinnert sich Philip Selkirk. Zuvor hatte der Wiesbadener Regisseur mit diversen Assistenten verhandelt, seine Filmidee über die "Tochter der Macht" vorgestellt, Informationen über seine Person und seine bisherige Arbeit weitergegeben. Treffen zum Interview Dass sich die pakistanische Politikerin im März 2005 plötzlich entschloss, ihm in ihrem Exil in Dubai ein Interview zu gewähren, hing offensichtlich damit zusammen, dass ihr Mann Asif Ali Zardari nach achtjähriger Haft freigelassen wurde und nunmehr ein neues Kapitel für sie persönlich, für ihre Familie, die Partei und womöglich für das Land beginnen würde, mutmaßt der Wiesbadener. "Es war wie ein frischer Wind der nun wehte und sie war voller Kraft und Energie als ich sie wenig später, im April 2005, bei ihr zuhause traf." Zunächst schickte sie eine gute Freundin aus Schulzeiten, Narmeen Hasan Khan, vor, um herauszufinden, wie der Wiesbadener Fragen stellte, wie er sich insgesamt verhielt. "Wir lachten, scherzten, sprachen aber auch über die dunklen und traurigen Kapitel im Leben von ,Bibi´", berichtet er. Als Benazir Bhutto merkte, dass er einen guten Draht zu ihrer Freundin fand, kam sie plötzlich selbst ins Zimmer. Anfangs diskutierten beide darüber, ob die Klimaanlage anbleiben sollte. Selkirk wollte ohne die Geräuschkulisse filmen, sie bestand erst auf die angenehme Temperatur. "Ich setzte mich durch, sie lächelte und los ging es", erinnert er sich. Bhutto gewährte ihm zunächst eine Stunde: "You won´t need more. You will see." Es wurden schließlich viereinhalb Stunden. "Wir verstanden uns bestens. Die Chemie stimmte. Sie merkte, dass ich mich mit rund 90 Fragen gut vorbereitet hatte", so Selkirk. Als "Dame, wie man sie in politischen Kreisen heutzutage nicht mehr oft antrifft" hat der Wiesbadener die Pakistanerin erlebt. Sie sei "äußerst eloquent" gewesen und habe in einem exzellenten Englisch gesprochen, befindet der Sohn eines Schotten. Sie habe keine Problem damit gehabt, dass Selkirk ihr kritische Fragen stellte - über ihre Rolle als "Mutter der Taliban" über Korruption über ihre Macht-"Gelüste". "Sie beantwortete alles freundlich - manchmal etwas aufgebracht und erregt - doch nie unfreundlich", schildert er. "Wieder ein Beweis dafür, dass man den Protagonisten solche Fragen stellen darf, sie aber nicht den unteren ,Chargen´ gegenüber äußern sollte. Die haben nur Respekt und Angst und tun alles um es einer Person wie Bhutto recht zu machen. Und dies ist es auch, was ihre Rolle ausmachte." Film noch einmal zu sehen Philip Selkirk sprach mit Benazir Bhutto aber auch über die Nuklearmacht Pakistan, über den Mord an ihrem Vater, über ihre Familie und über Demokratie - und so existiert noch eine ganze Menge Filmmaterial, das bisher nie veröffentlicht wurde. Da Bhutto nur selten Interviews gab, ist Philip Selkirks Filmmaterial derzeit besonders gefragt. "Wir haben Anfragen aus Spanien und den USA", erzählt der Regisseur, "derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an einer englischen Version der Reportage". Zudem wurde er aufgefordert, ein Buch über die charismatische Politikerin zu schreiben - "vielleicht in Verbindung mit einer Überarbeitung des Filmmaterials". Die Nachricht über die Ermordung Benazir Bhuttos am 27. Dezember hat in dem 43-Jährigen "ein mulmiges Gefühl" ausgelöst. Schließlich war er ihr damals sehr nach gekommen. Zwar sei das Thema Mord in der Familie Bhutto allgegenwärtig gewesen, denn so hatte Benazir Bhutto ihren Vater, beide Onkels und auch den Großvater verloren. "Doch die Menschen in ihrem Umfeld konnten sie nicht beschützen, sie hätte sich selber mehr schützen sollen", meint Philip Selkirk. Sein besonderes Mitgefühl gilt ihren Kindern, - "zwei junge Töchter, die ich auch habe interviewen dürfen und an den Sohn, die ihre Mutter verloren, weil sie überzeugt war, dass sie der Mensch ist, der dem Land zu Glück und einem neuen Start verhelfen könne". Philip Selkirks Film "Benazir Bhutto - Tochter der Macht" lief bereits in der ARD, im Bayerischen Rundfunk und bei Arte. Voraussichtlich soll er bei Arte noch im Januar im Rahmen eines "Themenabends Pakistan" noch einmal laufen. Die DVD ist aber auch im Handel erhältlich.

Im April 2005 empfing Benazir Bhutto den Wiesbadener Regisseur Philip Selkirk in Dubai für ein Interview.Videoshot


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