Von Christoph Cuntz
Heute beginnt der Prozess gegen Aleksander Ruzicka und David L. / 52 Millionen Euro veruntreut?
Es ist ein wahrer Wirtschaftskrimi, der ab heute vor dem Landgericht öffentlich verhandelt wird, und der die 6. Strafkammer mehr als ein Jahr beschäftigen könnte. Sie muss ergründen, ob die Aegis Media, die mit Werbezeiten handelt, um 52 Millionen Euro geprellt wurde. Und ob dafür ausgerechnet inzwischen gefeuerte Manager der Media-Agentur verantwortlich waren. Das Mammutverfahren der Staatsanwaltschaft zählt knapp 30 Beschuldigte und zwei Angeklagte, gegen die ab heute verhandelt wird: Die Ex-Aegis-Geschäftsführer Aleksander Ruzicka (47) und David L. (46). Der Erste war die schillerndste Figur der Branche und sitzt seit Oktober 2006 in Untersuchungshaft. Der Zweite wirkte im Hintergrund und kam nach wenigen Wochen U-Haft vorläufig auf freien Fuß. Untreue wirft Staatsanwalt Wolf Jördens den beiden vor. Er begründet das mit 86 Einzelfällen, von denen 38 das Zeug zum Politthriller haben. Denn mit 38 Transaktionen soll Aegis Media um mehr als neun Millionen Euro betrogen worden sein: Das Geld floss über die ehemalige Wiesbadener Werbeagentur Zoffel Hoff Partner in die Taschen der Angeklagten und weiterer Beschuldigter. Die Agentur aber steht der Hessen-CDU so nahe wie keine andere. Einer ihrer Geschäftsführer war Europaminister Volker Hoff (CDU), der andere Reinhard Zoffel. Und beide zusammen haben für die Hessen-CDU sowie für das CDU-Pendant in Südtirol, die dort regierende SVP, Wahlkämpfe gemanagt. Zufall oder nicht: Mit den Vorzeichen "Projekt Südtirol" wurden etliche der 38 Geldtransaktionen begründet. Längst schon ermittelt deshalb die Finanzwache in Bozen. Sie hat festgestellt, dass im Jahr 2003 Gelder der ZHP in den Südtiroler Landtagswahlkampf geflossen sind. Was deshalb pikant ist, weil ZHP danach zahlreiche Aufträge der landeseigenen Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) erhielt. Die Finanzwache in Bozen hat jetzt ein Rechtshilfeersuchen nach Wiesbaden geschickt, um auch in Deutschland ermitteln zu können. Mit ins Visier gerät einmal mehr die Bestof My World AG, die an der Adresse von Volker Hoff in Mühlheim am Main firmiert (siehe nebenstehender Artikel), und die ebenfalls SMG-Gelder bekam. Gleichwohl führt die Wiesbadener Staatsanwaltschaft Hoff nicht als Beschuldigten. Zoffel indes wird der Beihilfe zur Untreue verdächtigt: Er hat inzwischen der Staatsanwaltschaft dargelegt, warum er sich für unschuldig hält. Indes: Inwieweit die frühere Werbeagentur der beiden in dubiose Machenschaften verwickelt war, das wird die Strafkammer erst nach der Landtagswahl erörtern: Der medienwirksame Prozess soll nicht unnötig politisiert werden. So wird vor Gericht zunächst nicht der Politthriller, sondern erst der Wirtschaftskrimi thematisiert. Bei dem geht es um die Existenz einer ganzen Branche. Denn das Makeln mit Werbezeiten ist verdächtig geworden, seitdem das Bundeskartellamt im vergangenen Herbst gegen Tochterunternehmen von ProSiebenSat.1 und RTL Bußgelder von 216 Millionen Euro verhängte, weil sie Media-Agenturen so hohe Rabatte gewährten, dass Werbespots fast nur noch bei diesen Sendergruppen gebucht wurden. Inzwischen ermitteln deshalb die Staatsanwaltschaften in München und Köln. Der etwas verwirrende Vorwurf: Bestechung oder Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Siehe Kommentar

