Störanfällig, aber begehrt
12.01.2011 - WIESBADEN
Von Maximilian Radke
WHITE BOARDS Jede zehnte Stunde ein Ausfall / Schüler beklagen schlechte Ausstattung ihrer Fachräume
Zwei Mal tippt Uwe Widera mit seinem Spezialstift auf die weiße Tafel. Dann läuft ein Film über die Erdgeschichte auf dem „White Board“ ab. Magie? Nein, moderne Technik. Denn die interaktiven Tafeln, die Einzug in die Klassenzimmer vieler Wiesbadener Schulen halten, können mehr als nur Schrift darstellen. Sie vereinen Fernseh-, Computer- und Tafelfunktionen in schlichtem, modernem Design.
Vielfältige Möglichkeiten
Widera, Oberstudienrat für Sport und Erdkunde an der Elly-Heuss-Schule, ist positiv beeindruckt ob der vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen computergestützten Tafeln bieten. Der Einsatz von Videos und Grafiken belebe den Unterricht und mache ihn anschaulicher. „Die Kinder sind aufmerksamer“, sagt Widera. Und natürlich mache das Arbeiten für Lehrer und Schüler mehr Spaß. „Wenn es um sinnvollen, lerneffektiven Unterricht geht, schlägt das Pendel für White Boards aus“, zieht der Lehrer den Vergleich zu herkömmlichen Kreidetafeln.
Manch ein Lehrer bemängelt aber, dass kein Tafelbild erarbeitet werden könne, ohne dass mehrere virtuelle Seiten aufgerufen werden müssten. Die Übersichtlichkeit gehe dadurch verloren. Darüber hinaus seien die White Boards sehr störanfällig. In etwa jeder zehnten Unterrichtsstunde komme es zu Problemen, bestätigt denn auch Widera. Einmal funktioniere der Spezialstift nicht wie vorgesehen, ein anderes Mal handele es sich um einen Softwarefehler.
Ungeachtet dessen soll demnächst die 7. Klassenstufe der Elly-Heuss-Schule mit den innovativen Tafeln ausgestattet werden. Dann wird die gesamte Unterstufe über eigene White Boards verfügen. Schulleiter Reinhard Rzytki sieht darin den Vorteil, dass „die Schüler von klein auf mit der Technik vertraut werden“. Für die Mittel- und Oberstufe stehen momentan drei Räume mit White Boards zur Verfügung, die bei Bedarf belegt werden können. Zwei weitere sollen folgen.
Schulsprecherin Filiz Yildirim (17) findet es schade, dass nicht alle Schüler die Möglichkeit haben, mit den neuen Tafeln zu arbeiten. „Ich hätte sie gerne im täglichen Gebrauch“, sagt Filiz, die bislang nur bei Referaten die Tafeln nutzen konnte. Oberstufenschüler Daniel (16) weiß: „Man fühlt sich eher am Puls der Zeit“. Dennoch werde an der falschen Stelle investiert. Man müsse sich nur mal die veralteten Fachräume in den Naturwissenschaften oder die maroden Klassenräume der Oberstufe anschauen. Bevor weitere White Boards angeschafft würden, sollten erst mal Teile der Schule saniert werden, findet deshalb Piet (17), der die 11. Klasse besucht.
„Ein vernünftig ausgestatteter Raum sollte Priorität vor neuen White Boards haben“, meint selbst Erdkundelehrer Widera, der die modernen Tafeln begeistert nutzt.
Schulleiter Rzytki bedauert, dass öffentliche Gelder für dringende Renovierungsarbeiten fehlen. Die digitalen Tafeln seien allerdings größtenteils aus einem anderen Topf finanziert worden. Ein Spendenlauf der Schüler und der Förderverein hätten die Anschaffung erst möglich gemacht. Rund 4 000 Euro kostet eine interaktive Tafel.

