Aus Ärgernis wird die Geschäftsidee
28.12.2010 - WIESBADEN
Von Christina Eickhorn
GRÜNDERPREIS „Kidiconcepts“ mit zweitem Platz in Kategorie Arbeitslosigkeit
Als Mutter von zwei Kindern kennt Carola Bill das Problem nur allzu gut: Der Einkauf mit Kind und Kegel wird in der Regel eher zum Spießrutenlauf, als dass er einem entspannten Ausflug gleicht. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Handel sowie auch Gastronomie und Hotellerie zu wenig auf die Bedürfnisse von Familien eingestellt sind. „Viel zu oft habe ich mich über schlecht durchdachte oder gar keine Angebote für diese Zielgruppe geärgert. Ich hatte einfach genug vom Stillen auf der Parkbank und quengeligen Kindern beim Essen gehen und Einkaufen“, erzählt die 37-Jährige.
Enormer Werbewert
Doch anstatt vor den Begebenheiten zu kapitulieren, machte Bill aus diesem Ärgernis eine Geschäftsidee und gründete im Februar 2010 das Marketingunternehmen „Kidiconcepts“. Seitdem berät sie Kunden aus den Bereichen Stadtmarketing, Gastronomie und Hotellerie, aber auch Betreiber von Einkaufszentren oder Arztpraxen im familienorientierten Marketing. „Zwar ist dieser Markt längst erkannt, doch ist die Umsetzung in den meisten Fällen schlecht durchdacht. Dass sich Kinder- oder Spielelemente im Eingangsbereich direkt an der automatischen Schiebetür befinden, ist dabei nur ein Beispiel“, so Bill. Dabei haben gerade Familien einen enormen Werbewert, und da sie auf diesem Gebiet bisher nicht gerade verwöhnt wurden, sind sie zudem eine sehr dankbare Zielgruppe für innovative Ansätze.
In ihrer Funktion als Marketing-Beraterin schöpft Carola Bill nicht nur aus ihren Erfahrungen als zweifache Mutter, sondern profitiert vor allem von ihren beruflichen Kompetenzen als Erzieherin und Sozialpädagogin. Zudem hat sie im Jahr 2002 ein Zusatzstudium im Bereich Sozial- und Gesundheitsmanagement an der Universität Kaiserslautern absolviert, in dessen Rahmen unter anderem auch Managementkonzepte, Marketing und Unternehmensphilosophien thematisiert wurden.
Nach wie vor eine Nische
Bei ihren Kunden findet Carola Bills Beratung großen Anklang. „Zwar wissen die meisten Unternehmen, dass es gut wäre, ein Angebot für Familien zu schaffen, doch besitzen sie zu wenig Wissen über die richtige Umsetzung“, sagt Bill. Da sich das Angebot nach wie vor in einer Nische bewegt, ist die Auftragslage bei „Kidiconcepts“ sehr gut und Carola Bill mit ihrem Start in die Selbstständigkeit mehr als zufrieden.
„Warum sich nicht schon früher jemand über diese Marktlücke Gedanken gemacht hat, wundert mich selbst“, gesteht Bill und freut sich doch, dass sie aus dem Ärger heraus diese Geschäftsidee hatte.

