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Wiesbaden 

Eher Manager als Handwerker

15.09.2010 - WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Piesch

JUGENDHERBERGE Neuer Leiter Reinhard Janz will Übernachtungszahlen verdoppeln / Gebäude wird modernisiert

Reinhard Janz hat viel vor. „Wir möchten in den nächsten Jahren die Jugendherberge Wiesbaden zu einem modernen und vor allem barrierefreien Großstadt-Haus umbauen“; sagt der neue Leiter des Hauses in der Blücherstraße. Seit 1. September ist er der Nachfolger von Susanne und Axel Kunze, die nun in den Ruhestand gegangen sind. Janz kommt von einem ebenso modernen Haus, aus Bad Homburg. Dort hat er ebenfalls den Übergang von einer traditionellen Jugendherberge in altem Gebäude zu einem modernen Tagungshaus begleiten können und ist überzeugt: „Das ist das Konzept der Zukunft“.

Viel mehr Übernachtungen

Vom Vorstand des Jugendherbergswerks Hessen, Uwe Kathmann, wurde er nun offiziell in sein neues Amt eingeführt. Auch Kathmann berichtet von den Verhandlungen mit der Landeshauptstadt, in denen man sich derzeit befinde, um den Umbau vorzubereiten. „Es wird ein großer Gewinn für die Stadt“, sind Kathmann und Janz überzeugt. Die Übernachtungszahlen sollen sich nahezu verdoppeln, von derzeit 28 000 Übernachtungen pro Jahr steigt die geplante Anzahl dann auf 50 000. „Das sind viele junge Gäste, die wir nach Wiesbaden bringen - und sie kommen dann ja sicher wieder“, meint Uwe Kathmann.

Außerdem sei Wiesbaden die einzige Landeshauptstadt mit einer baulich noch nicht den modernen Anforderungen entsprechenden Jugendherberge. Gerade durch die mangelnde Barrierefreiheit „müssen wir im Moment noch ganze Gruppen ausgrenzen, was wir natürlich keinesfalls wollen“; unterstreicht Reinhard Janz. Da die Wiesbadener Herberge weniger die Einzelwanderer mit Rucksack ansprechen wolle - obwohl natürlich auch sie hier jederzeit eine Unterkunft finden - werde sie sich zukünftig als zeitgemäßes Tagungs- und Seminarhaus für Gruppen aller Art positionieren. Schon jetzt sind viele Gruppen hier zu Gast, auch viele internationale Gäste zum Beispiel aus Wiesbadens Partnerstädten, weiß Reinhard Janz.

Der 54-jährige Vater von Drillingen ist seit 30 Jahren in unterschiedlichen Jugendherbergen tätig, hat daher den Wandel hautnah miterlebt, dem die Häuser in den letzten Jahrzehnten unterlagen. „Früher war der Herbergsvater gerne ein Handwerker, und die Ehefrau arbeitete ganz selbstverständlich in der Hauswirtschaft mit“, sagt Janz. „Heute sind eher Managerqualitäten gefragt“. Er selbst sei noch aus einem Handwerksberuf zum Jugendherbergswerk gekommen, habe aber die entsprechenden Fortbildungen absolviert und wisse, was an Organisation und Managementaufgaben in einem Großstadthaus auf ihn zukomme.

Der geplante Umbau soll spätestens 2013 beginnen und etwa zwölf Monate dauern. Darauf freut sich Janz jedoch, der seinen Gästen anschließend ein zeitgemäßes Haus kann. Die Zimmer sollen eigene sanitäre Einrichtungen erhalten. Mehrere große Tagungsräume entstehen. Das Investitionsvolumen wird um die 4,5 Millionen Euro betragen, daran sind neben dem Jugendherbergswerk auch die Stadt und das Land Hessen beteiligt. „Es ist eine Investition in die Jugend“, sagt Kathmann. „Das kann einer Stadt doch nur gut tun“.

Ehrgeizig: Reinhard Janz will die Jugendherberge zu einem barrierefreien Großstadthaus machen.	Foto: RMB/Kubenka

Ehrgeizig: Reinhard Janz will die Jugendherberge zu einem barrierefreien Großstadthaus machen. Foto: RMB/KubenkaVergrößern

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