Vom Logo bis zur Homepage
08.09.2010 - WIESBADEN
NEBENJOB Die Studentin Lucie Richter arbeitet als selbstständige Fotografin
(jhl). Das Klischee vom feiernden Studenten, der von seinen Eltern finanziell unterstützt die Nacht zum Tag macht und erst am frühen Mittag in die Vorlesung stolpert, ist längst überholt, wie nicht zuletzt die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt: 63 Prozent der Studierenden arbeiten durchschnittlich 15 Stunden pro Woche nebenher. Zusammen mit der Zeit, die in Lehrveranstaltungen, in der Bibliothek und beim Büffeln für Klausuren verbracht wird, ergeben sich daraus locker über 40 Wochenarbeitsstunden. Kein einfache Sache, die Balance zwischen Uni und Job zu halten - für nicht wenige Studenten liegt die Lösung in der Selbstständigkeit. Sie ermöglicht ihnen nicht nur, über ihre Arbeitszeiten selbst zu bestimmen, sondern ist ein sinnvolles Training für die Zeit nach dem Studium, wenn eine hauptberufliche Existenz als Freiberufler geplant ist.
Lucie Richter studiert im zehnten Semester Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie, um nach ihrer Ausbildung zur Fotografin ihre Kenntnisse zu vertiefen. Da ist es nicht weiter überraschend, dass ihre selbstständige Tätigkeit die Bereiche Design und Fotografie umfasst. „In der Hauptsache arbeite ich für mittelständische Unternehmen, für die ich Corporate Designs mache oder Werbeflyer gestalte. Am liebsten erarbeite ich zusammen mit dem Kunden neue Firmenauftritte, welche von einem neuen Logo über Geschäftspapiere bis hin zur Homepage reichen - dazu liefere ich dann meist auch noch die Fotos.“
Fünf bis 20 Wochenstunden
Zudem arbeitet die 28-Jährige eng mit Wiesbadener Jugendorganisationen zusammen. „Ich habe etwa sämtliche grafische Werbemaßnahmen zur ersten Wahl des Jugendparlaments gestaltet und war bei der Kampagne zur Anne Frank-Ausstellung der Jugendinitiative Spiegelbild für die Plakat-Gestaltung zuständig. Für Winzer aus dem Rheingau übernehme ich deren fotografische Produktdarstellung und die Gestaltung der Publikationen wie Weinpreislisten und Angebotsfaltblätter. Meine Tätigkeit reicht vom A6-Flyer bis hin zu Gesamtumstellungen von Firmenauftritten.“ Ihre Wochenarbeitszeit liegt zwischen fünf und auch mal 20 Stunden.
Ihren Lebensunterhalt bestreitet Lucie Richter größtenteils aus ihrer selbstständigen Arbeit, „jedoch komme ich dabei leider noch nicht ohne weitere Einnahmen aus Minijobs aus. Also arbeite ich gelegentlich als Bedienung. Zudem unterstützt mich meine Mutter ein wenig.“ Kleine Brötchen gegenüber Auftraggebern backt sie nicht: „Beim Kunden erwähne ich, dass ich noch Studentin bin, ich sehe darin keinen Nachteil.“ Richter schätzt die freie Zeiteinteilung, ein Nachteil sei die schwankende Auftragslage.

