Mordprozess um Nurdan in Wiesbaden: Hasan E. bleibt in Haft
01.09.2010 - WIESBADEN
Von Wolfgang Degen
Hasan E., des Totschlags seiner Ex-Frau Nuran dringend verdächtig, bleibt in Haft. Ein Antrag von Verteidiger Axel Küster, den Haftbefehl gegen den 39-Jährigen aufzuheben, scheiterte am Mittwoch. Küster, der erfahrene Verteidiger, dürfte eine andere Entscheidung nicht wirklich erwartet haben. Seit 30.Oktober 2009 sitzt sein Mandant in U-Haft. Am 30.September 2009 war die Frau mit 56 Messerstichen und -schnitten in ihrer Wohnung in der Hellmundstraße getötet worden.
Am dringenden Tatverdacht gebe es keine Abstriche, so die Schwurgerichtskammer, und dann der Fingerzeig: Nach dem bisherigen Verlauf der Hauptverhandlung decke sich die Würdigung durch die Kammer „in den entscheidenden Teilen“ nicht mit „den Annahmen“ der Verteidigung.
Küster hat am Mittwoch, am 15.Verhandlungstag, ein Bündel von Beweisanträgen eingebracht. Im Kern reduzieren sie sich auf einen Punkt: Der Todeszeitpunkt der Frau, laut Anklage zwischen 9.30 und 10 Uhr, sei falsch. Der wahrscheinliche Zeitpunkt sei später, und dafür habe Hasan E. ein Alibi. Die Verteidigung stützt ihre Annahme auf ein Gutachten zum Todeszeitpunkt, das sie in Auftrag gegeben hat. Der spätere Zeitpunkt passe zu Aussagen von Zeugen, so Küster, der diese Zeugen abermals vor Gericht gehört wissen will. Zudem brauche es einen Ortstermin im Westend. So will Küster die Aussage seines Hauptzeugen bestätigt sehen. Der Verteidiger erneuerte seine Kritik an der Polizei: Entlastende Aussagen seien „offensichtlich an Ermittlungsergebnisse angepasst“ worden.
Manipulationen an einer Tachoscheibe
Zweifelsohne belastend sind Manipulationen an einer Tachoscheibe. Mit einem 7,5-Tonner hatte Hasan E. Aufträge für eine Spedition abgewickelt. Ein Sachverständiger legte dar, dass sehr geschickt 166 Kilometer verschleiert werden sollten. Es reicht für Walldorf-Mörfelden, Wiesbaden und retour. Für einen Lastwagen gebe es im Westend überhaupt keine Parkmöglichkeit, sagt Küster, der Leiter des Ordnungsamtes solle das bezeugen. Küster hält außerdem für notwendig, die Strecke mit einem 7,5-Tonner zu rekonstruieren.
Fortsetzung ist am kommendenMittwoch, 9 Uhr, Saal 0.020.

