Die "Ohrbooten" in Wiesbaden: "Viele bezeichnen uns ja als Spaßkapelle"
29.08.2010 - WIESBADEN
Von Björn-Christian Schüßler
Die Ohrbooten aus Berlin haben in Wiesbaden und Umgebung eine große Fanschaft. Dass die vier Jungs bei Folklore010 dabei sind, bedeutet den Anhängern hier sehr viel. Vor dem Auftritt erzählte Pianist Noodt im WT-Interview, wie viel Freude auch die Band auf den Auftritt hat.
Wie ist es für Euch, nachdem ihr in den ersten Jahren viel lob für Eure Show auf großen Bühnen bekommen habt, jetzt hier auf einem traditionellen, aber eher kleinen Festival zu spielen?
Für uns geht es jedes Wochenende auf Festivals, da ist dann alles dabei. Uns ist die Größe dabei egal, kleine Festivals bieten oft nette Überraschungen. Wir haben hier in der Region vor zwei Jahren schon beim Open Ohr Festival in Mainz gespielt und dabei viele positive Erlebnisse gehabt.
Und wie eignet sich für Euer Spaßprogramm das regnerische Wetter?
Es kann ja auch ganz toll sein, im Matsch vor der Bühne zu tanzen. (Noodt grinst) Unsere Stimmung auf der Bühne ist völlig wetterunabhängig. Aber ich gebe zu, unser Karma hat die Stimmung oft auch bei solchem Wetter gerettet.
Nach den beiden Party-Alben habt ihr auf Gyp Hop“ ja auch Titel mit ernsthafteren Texten platziert. War das ein Ziel bei der Weiterentwicklung Eurer Musik?
Viele bezeichnen uns ja als Spaßkapelle, was uns jetzt nicht wirklich stört, den Kern aber auch nicht wirklich trifft. Wir schreiben auch balladenhaftere, ernste Stücke, kritische Texte, haben auch das Bedürfnis, unter der Oberfläche zu kratzen. Du denkst ja auch anders über die Welt, wenn du älter wirst, mal eigene Kinder hast. Das Ziel für unser Album Gyp Hop war aber eher schnell, bunt, laut. Deshalb haben wir viele, noch ernsthaftere Stücke über Liebe oder den Tod eines Freunde, gar nicht drauf gepackt. Das Album soll einen schnell reinziehen. Das ist es.
Es soll also das Feierargument erhalten bleiben, damit sich das Album verkauft?
Für uns ist das Verkaufsargument zweitrangig. Wir machen Platten, weil man als Band halt Platten macht, aber wir sehen uns noch immer mehr als Liveband. Wir wollen auf der Bühne spielen und davon leben. Uns ist wichtiger, dass die Show funktioniert.
Ihr seid also eher Bauchmenschen?
Ja. Bei uns läuft viel ohne Kalkül. Wir gehen nicht so kopfig an die Musik, checken eher ob der Vibe eines neuen Songs klingt, die Message funktioniert. Das hängt auch viel davon ab, wie wir gerade drauf sind. Wir lassen uns da beim Performen auch viel von den Leuten vor der Bühne inspirieren. Wir sind kontaktfreudige Menschen, stehen selbst gern vor der Bühne und schauen andere Künstler an. Da findet man dann immer wieder coole Bands, die uns flashen. In Berlin haben wir da ja auch eine große Szene.
Gibt es einen Song, auf den man sich besonders freuen darf, einen den ihr besonders gern spielt?
Wir haben ja viele Songs mit einer Mixtur aus dem täglichen Leben. So ist es auch beim Auftritt. Wir haben keinen speziellen Lieblingssong, haben eigentlich kein Lied, auf das wir gar keinen Bock haben. Selbst „Autobahn“ spielen wir immer noch gern. Wir leben dabei auch von der Interaktion, wagen Experimente wie jetzt mit den Tänzerinnen, gucken, wie die Leute ticken. Wir freuen uns aber immer auf den Auftritt.

