Mobbing bei der hessischen Polizei? Beamten erheben schwere Vorwürfe
27.08.2010 - RÜSSELSHEIM
Von Dieter Ackermann-Girschik
Schwere Vorwürfe erheben mehrere hessische Beamte gegen ihre Dienstherren: Von Mobbing, unnötigen Disziplinarverfahren, psychologischen Gefälligkeitsgutachten, Zwangsversetzungen und Versetzungen in den vorzeitigen Ruhestand ist die Rede. Und sogar dem Versuch, per „Zwangseinweisung“ Konflikte zu beenden und Betroffene mundtot zu machen. Die Vorwürfe stammen von drei Beamten der Stadt Frankfurt und drei aktiven bzw. ehemaligen Bediensteten der hessischen Polizei. Die Namen sind dieser Redaktion bekannt.
Eingeladen zu der Pressekonferenz hatte der in Rüsselsheim lebende Polizeioberkommissar a. D., Dirk Lauer. Er liegt selbst mit dem hessischen Innenministerium seit langem im Clinch, Hintergrund ist nach seinen Angaben ein Dienstunfall bei einer Festnahme vor rund 15 Jahren und seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand. Mit seinem Dienstherrn streitet er um eine Dienstunfallrente. Im Internet betreibt Lauer einen Blog, in dem er seinen und ähnliche Fälle dokumentiert. Der Ex-Polizist ist im Innenministerium in Wiesbaden längst ein „guter Bekannter“.
Konflikte schwelen seit Jahren
Mehr als siebzig Betroffene wären mittlerweile aufgrund seiner Internetaktivitäten an ihn heran getreten, erklärte der frühere Polizist. Die jetzt von den sechs Betroffenen geschilderten Geschichten sind sehr unterschiedlich, gemeinsam haben sie, dass die Konflikte seit Jahren schwelen. Und dass die Beamten erlebten, dass die eingeschalteten Vorgesetzten und Dienststellen bis hin zur höchsten Ebene zumeist nicht auf ihrer Seite standen.
Lauer widersprach entschieden Hessens Innenminister und designiertem Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der Anfang des Jahres den Vorwurf, in der hessischen Polizei gebe es systematisches Mobbing, als „Unsinn“ zurückgewiesen hatte.
Mit Gang zum polizeipsychologischem Dienst bedroht
Aktive und ehemalige Polizeibeamte bekräftigten jetzt, dass es bei der hessischen Polizei immer wieder vorkäme, dass Kollegen, die ihre Meinung sagten, mit dem Gang zum Polizeipsychologischen Dienst nach Wiesbaden bedroht würden.
Auch in Frankfurt, so schilderten es die drei Beamten der Bankenmetropole, zwei davon Feuerwehrleute, seien Kritik, Widerspruch und das Engagement für den gewerkschaftlichen Feuerwehrverband mit dem Versetzen in den vorzeitigen Ruhestand geahndet worden. Sie berichteten von massivem Druck und Drohungen bei Gesprächen mit Vorgesetzten – auch dort wie bei der hessischen Polizei sei mit psychologischen Gutachten gearbeitet worden.

