Messerstecherei bei Grillfest: Ex-NPD-Landesvorsitzender in Wiesbaden vor Gericht
19.08.2010 - WIESBADEN
Von Christoph Cuntz
Der frühere Landesvorsitzende der NPD, Marcel Wöll, steht seit Donnerstag vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen vor, am 29. August 2004 auf einen heute 36 Jahre alten Mann aus dem Raum Montabaur eingestochen zu haben. Zwei der Messerstiche hatten das Opfer in der Nähe seiner Nieren getroffen, ein dritter Stich hatte Richtung Herz gezielt. Es handelte sich um „potenziell lebensbedrohende Verletzungen“ so die Staatsanwaltschaft. Der Anwalt des Angeklagten verlas am Donnerstag eine Erklärung, nach der die gegen Wöll erhobenen Vorwürfe unzutreffend seien.
Mit der Messerstecherei war in der Nacht des 29. August ein Grillfest in Hünstetten-Görsroth eskaliert, zu dem die Kameradschaft „Schwarze Division“ per SMS geladen hatte. So schilderte dies am Donnerstag das Opfer, Michael Z.. Schon zu Beginn des Grillfestes sei es zu ersten Reibereien gekommen, weil auch Mitglieder des MSC28 eingeladen worden waren, eine Vereinigung, die nach außen als Motorsportclub auftritt, die tatsächlich aber rechtsextremistische Mitglieder haben soll (die 2 stünde nach dieser Theorie für B wie Blood, die 8 für H wie Honour).
Seit 14. Lebensjahr ein Skinhead
Michael Z. ist nach eigener Aussage seit seinem 14 Lebensjahr ein Skinhead und liegt seit Jahren mit MarcN., dem Anführer des MSC 28, im Clinch. Der Zeuge bestätigte vor Gericht, dass ihm der Verfassungsschutz Internet-Ausdrucke vorgelegt habe. Diese hätten belegt, dass der MSC 28 auf ihn ein „Kopfgeld“ ausgesetzt hatte.
Die Spannungen, die es wegen solcher Animositäten an jenem Grillabend gegeben hatte, eskalierten nach Mitternacht in einer Massenschlägerei. Michael Z. sagte aus, es sei zwischen ihm und Marc N. zu einer Prügelei gekommen. Er glaube aber nicht, dass dieser auf ihn eingestochen habe. Er selbst habe die Verletzungen erst bei der Heimfahrt bemerkt und habe damals auf ärztliche Versorgung verzichtet, weil er Probelme und Nachfragen befürchtet habe. „Ich bin kein Typ, der bei jedem Anlass zur Polizei rennt“. Der Zeuge wollte allerdings genauso wenig Marcel Wöll als Täter bezichtigen. Er habe Wöll damals gar nicht gekannt und könne sich nicht einmal mehr erinnern, ob der frühere NPD-Landesvorsitzende Gast dieses Grillfestes gewesen war.
Die Polizei hatte offenbar lange Zeit den Verdacht gehabt, Marc N. sei der Messerstecher von Görsroth gewesen. 2007 waren in der rechten Szene Gerüchte aufgekommen, dass Marcel Wöll der Täter sein könnte. Beide sähen sich ähnlich. Der in Hattersheim geborene Wöll lebt heute in Sachsen-Anhalt. Er ist verheiratet, hat drei Kinder. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Das Gericht hat 20 Zeugen geladen.

