Wiesbadener Berufsfeuerwehr kehrt von Hochwasser-Einsatz in Görlitz zurück
17.08.2010 - WIESBADEN / GÖRLITZ
Von Cornelia Diergardt
Die Lage in dem vom Hochwasser betroffenen Görlitz entspannt sich. Am Montag betrug der Pegelstand 3,81 Meter, am vorvergangenen Sonntag wurden noch 7,07 Meter gemessen – normal sind 1,70 Meter. Inzwischen herrscht in Wiesbadens Partnerstadt Alarmstufe eins. Wie Kerstin Gosewisch, Medienreferentin der ostdeutschen Neiße-Stadt berichtet, sei es jedoch nicht ausgeschlossen, dass erneut Alarmstufe zwei erreicht wird. „Jeden Tag gehen heftige Gewitterschauer nieder. Das geht den Betroffenen an die Seele.“
Dramatische Zustände
Besonders dramatisch sind die Zustände in den Stadtteilen Ludwigsdorf und Hagenwerder, die beide jeweils rund 1.000 Einwohner zählen. „Viele Bürger stehen dort vor dem Nichts“, betont Gosewisch. Hilft das Hilfsprogramm des Freistaates, das bis zur Schadensregelung durch Versicherungen Steuererleichterungen und zinsgünstige Darlehen ermöglichen soll? Medienrefentin Gosewisch ist skeptisch. Die Stadt Görlitz hofft auf eine Soforthilfe in Form einer nicht rückzahlbaren Zuwendung wie bei der Jahrhundertflut im Jahr 2002. Denn sozial Bedürftigen, Rentern und Bürgern mit schuldenbelastetem Eigentum werde mit dem Hilfsprogramm von Ministerpräsident Stanislaw Tillich nicht geholfen.
„Die Arbeit in Görlitz geht jetzt jedoch erst richtig los“, weiß auch Harald Hagen, Branddirektor der Wiesbadener Berufsfeuerwehr. Zwölf seiner Männer sind gestern vom einwöchigen Hilfseinsatz in der Partnerstadt zurückgekehrt. Mit im Gepäck „Hannibal“, ein Hochleistungsgerät der Werksfeuerwehr von InfraServ, das 500 Kubikmeter Wasser pro Stunde abpumpt. 60.000 Kubikmeter schaffte die Wiesbadener Delegation, die die erschöpften Feuerwehrleute vom Görlitzer Berufsfeuerwehr-Chef Uwe Restetzki („Einige waren persönlich von der Überflutung betroffen“) tatkräftig unterstützten.
Straßen von Sperrmüll gesäumt
Einsatz leisteten die Kräfte aus der Landeshauptstadt unter anderem im 300-Betten-Mercure, ein sehr wichtiges Hotel in Görlitz. Rainer Schremmer vom Einsatzleitdienst berichtet von einer „Welle, die mit massiver Wucht in die Tiefgarage eingeschlagen hat“. Zusätzlich riss die Hauptwasserleitung ab. Nach der statischen Freigabe fürs Abpumpen legten die Wiesbadener mit ihrem „Hannibal“ los. Zuvor ließ der Hotel-Chef 200 Gäste und 150 Autos evakuieren. Es dürfte keine Kaffeesatzleserei sein, wenn Werner Volkmar mutmaßt: „In diesem Jahr geht das Mercure nicht mehr in Betrieb“.
Der Eindruck, den die Wiesbadener aus Görlitz mitnehmen, ist nachhaltig: Stadtteile wie Hagenwerder zeigten sich wie ein „Dorf in einer Badewanne“. Sehr hoch war die Präsenz der Polizei, um vor allem dem Auto-Diebstahl vorzubeugen. Als wären die betroffenen Gebiete ein einziger Trödelmarkt, waren die Straßen dicht an dicht von Sperrmüll gesäumt, der jedoch schnell entsorgt worden sei. Verschoben sind die Pläne, 2011 den Berzdorfer See, ein touristisch attraktiver Badesee mit künftiger Marina, zur uneingeschränkten Nutzung freizugeben. Auch in die ehemalige Braunkohlegrube schoss das Wasser. Die Innenstadt jedoch, so betont Schremmer, sei außer im Gebiet der Altstadtbrücke nicht betroffen. „In der City hat man fast den Eindruck, es ist nichts passiert.“ So halten die Görlitzer auch an in ihrem Vorhaben fest, das Stadtfest Ende August steigen zu lassen. Nicht zuletzt zieht das Spektakel viele Auswärtige an.

