Es geht vorwärts: Schotter für Wiesbadener Aartalbahn bereits bestellt
17.08.2010 - WIESBADEN
Von Jorg Hamm
Der Bahnhofsvorplatz in Dotzheim zeigt sich an diesem Tag belebt wie selten. An der Ecke hat vor einem Jahr ein türkischer Imbiss eröffnet. Tische und Stühle vor dem Geschäft sind gut gefüllt. Gegenüber des Bahnhofs hat eine Filiale des Wiesbadener Unternehmens Hepa-Kaffee aufgemacht, auch diese bietet ihren Gäste eine Bewirtung innen und außen an. Am Moritz-Hilf-Platz tut sich einiges. Ein neues Bürohaus ist entstanden, um die Ecke ein Neubaugebiet mit 100 Wohnungen. Jetzt passiert sogar am Bahnhof selbst wieder was. Die Schranken an der Aartalbahn senken sich bald wieder. Die Anlage wurde instand gesetzt. Demnächst erhält auch das Stellwerk-Gebäude einen neuen Putz. Im kommenden oder übernächsten Jahr wird sogar das Bahnhofsgebäude saniert.
Modern und historisch
Es sind kleine Schritte, die aber darauf hin deuten, dass in absehbarer Zeit wieder Züge in Dotzheim halten und abfahren, und zwar in beide Richtungen. Alte Dampfloks und Triebwagen, aber auch moderne Schienenfahrzeuge sollen Ausflügler und Erholungssuchende in den Taunus bringen.
Im Februar hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen, die Aartalbahn als Bahnstrecke für touristischen Ausflugsverkehr zu erhalten und auszubauen. Das stadtnahe Unternehmen Eswe Verkehr hat den Auftrag erhalten, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu erstellen und an dessen Umsetzung zu arbeiten. Das nimmt Eswe Verkehr sehr ernst. Während die Diskussion um eine Reaktivierung der Strecke von Wiesbaden bis an die rheinland-pfälzische Landesgrenze im täglichen Linienverkehr um ein paar Jahre vertagt wurde, wird die Strecke Stück für Stück erneuert.
Beim Sektfest der Firma Henkell im Mai befuhr erstmals seit vielen Jahren wieder ein modernes Schienenfahrzeug die Strecke. Der Vectus-Triebwagen brachte Besucher vom Hauptbahnhof nach Wiesbaden-Ost und von dort auf eine 2,2 Kilometer lange Verbindungsstrecke zum früheren Bahnhof Landesdenkmal. Er fuhr an diesem vorbei und setzte dann zurück auf das Werksgelände von Henkell. Die Aktion fand großen Anklang und soll in den nächsten Jahren wiederholt werden. Um die Anfahrtsstrecke zur Aartalbahn auch für schwere Dampfloks mit Waggons befahrbar zu machen, hat Eswe Verkehr gerade 300 Tonnen Schotter bestellt.
Erste Maßnahmen
Die meisten Maßnahmen (siehe Infobox) wurden in Abschnitten realisiert, auf denen seit Jahren kein Zug mehr fuhr, unter anderem deswegen, weil die Brücken marode oder reparaturbedürftig sind. Doch auch da ist Abhilfe in Sicht. Bekanntlich wird im Jahr 2012 eine komplett neue Brücke über die Flachstraße gespannt. Und ein Gutachten, das im Frühjahr in Auftrag gegeben wurde, soll klären, in welchem Zustand die Brücken tatsächlich sind und was es kostet, sie wieder befahrbar zu machen.
Nach der Sommerpause wird Eswe Verkehr Magistrat und Stadtverordnetenversammlung ein Konzept vorlegen, wie sich das Unternehmen die Wiederinbetriebnahme der Strecke bis Taunusstein-Bleidenstadt vorstellt. Die Idee ist es, auswärtige Eisenbahnvereine und kommerzielle Verkehrsunternehmen wie Vectus mit ihrem Fuhrpark auf der Strecke fahren zu lassen. Eswe Verkehr hat bei einigen bekannten Vereinen, wie dem Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein schon mal vorgefühlt. Die Idee bald regelmäßig auf der Aartalbahn zu fahren, sei dort auf große Begeisterung gestoßen, berichtet Jörg Gerhardt, stellvertretender Betriebsleiter bei Eswe Verkehr.

