Teures Grab: Kosten für eine Bestattung in Hessen differieren bis zu 1.500 Euro
13.08.2010 - WIESBADEN
Von Bertram Heide
Es ist die vierte Auflage einer umfangreichen Untersuchung, die der hessische Bund der Steuerzahler (BdSt) gemeinsam mit der Verbraucherinitiative Bestattungskultur „Aeternitas e.V.“ jetzt veröffentlicht. „Angemessene und nachvollziehbare Gebühren im Friedhofswesen“, so BdSt-Vorsitzender Ulrich Fried sind das Ziel. Nach der Erstauflage der Broschüre 1999 sei das Heft inzwischen „ein Standardwerk für alle Schreibtische“ in den Kommunalverwaltungen, ist Fried überzeugt.
61 Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern wurden in Hessen um Zahlenmaterial gebeten, 59 Kommunen lieferten sofort. „Das sind immerhin 85,5 Prozent“, freut sich Ulrich Fried. Nur Bad Vilbel war der große „Ausreißer“: keine Antwort und auch keine Daten im Internet.
Mehr als 150 Seiten umfasst die Broschüre mit ihrem Kostenvergleich; auch Wiesbaden taucht dort ab Seite 99 mehrfach auf. Unter www.steuerzahler-hessen.de kann sich jeder Interessierte über Details informieren oder sich eine solche Broschüre auch besorgen.
Hauptkritik des BdSt und von Aeternitas: In den vergangenen Jahren seien die Kosten für eine Bestattung kräftig angestiegen. Die Angebote der einzelnen Kommunen würden stark voneinander abweichen, auch wenn sie in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Die Gebührensatzungen selber seien nicht mehr transparent und für den Bürger überschaubar, die Kalkulation der Gebühren in den einzelnen Gemeinden auch nicht mehr nachvollziehbar.
„Politisch Verantwortliche in der Pflicht“
„Es geht uns nicht darum, bestimmte Gemeinden vorzuführen. Natürlich gibt es an den unterschiedlichen Orten auch die unterschiedlichsten Rahmenbedingungen“, stellt Ulrich Fried fest. „Trotzdem sehen wir die politisch Verantwortlichen in der Pflicht, ihre Gebühren-Kalkulationen genau zu überprüfen.“ Die Kommunalpolitiker ruft er auf, „ein waches Auge“ auf die Gebührensatzungen in ihrer Stadt, ihrer Gemeinde oder dem Kreis zu haben. Die Politiker vor Ort müssten die Satzungen vor allem auf Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit hin überprüfen.
Wie Aeternitas-Sprecher Hermann Weber erklärt, könnten die Kosten für eine Erdbestattung zwischen zwei Nachbarkommunen schon einmal um 1.500 Euro differieren.
Die Beerdigung muss eigentlich sowieso nicht so teuer sein, sind sich Ulrich Fried und Hermann Weber sicher. Sie fordern von den Kommunen im Vorfeld ein „vorausschauendes Flächenmanagement“, denn für langfristig vorgehaltene Flächen müssten schlussendlich der Gebührenzahler bei einer Bestattung geradestehen.
In Wiesbaden, so erklärt es später Thomas Bäder, als Abteilungsleiter im Grünflächenamt für das Friedhofs- und Bestattungswesen zuständig, werde bereits seit Jahren nach diesem Prinzip verfahren und vor allem auf die Bedürfnisse der Bürger vor Ort eingegangen. So gibt es aktuell im Haushalt Mittel für die gewünschte Friedhofserweiterung in Breckenheim, wo vor zwei Jahren bereits die Beleggrenze erreicht wurde. Erweiterungen sind auch für andere Stadtteile in Planung. „Und“, betont Thomas Bäder, „aktuell arbeiten wir an einem Friedhofsflächenentwicklunsgplan für den größten Wiesbadener Friedhof, den Südfriedhof.“

