In Wiesbadens Partnerstadt Görlitz: Nach der Flut ebbt der Touristenstrom ab
13.08.2010 - WIESBADEN / GÖRLITZ
Von Michael Meinert
Nach der verheerenden Flutwelle vom vergangenen Wochenende hat Wiesbadens Partnerstadt Görlitz mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Zahlreiche Touristen stornieren ihre Buchungen, berichtet der Wiesbadener Matthias Schneider, der seit vielen Jahren in Görlitz lebt und als Marketingleiter des dortigen Theaters arbeitet. Auf 20 bis 25 Prozent schätzt Schneider die derzeitigen Ausfälle bei den Übernachtungen – umso gravierender angesichts ohnehin zurückgehender Besucherzahlen.
„Viele haben offenbar den Eindruck, dass Görlitz unter Wasser steht“, meint Schneider. Dies sei aber ganz und gar nicht der Fall. In der Kernstadt waren lediglich die direkt an der Neiße gelegenen Straßen überflutet, nicht aber die viel höher gelegene Altstadt mit ihren Touristenattraktionen. Nur drei Hotels und Pensionen seien durch das Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden, die insgesamt vorhandene Bettenkapazität der Stadt ist laut Schneider ausreichend. Auch fänden alle Stadtführungen- und Stadtrundfahrten statt.
Zwölf Feuerwehrleute in Wiesbaden im Einsatz
Das Wasser der Neiße, so Schneider weiter, hat fast wieder seinen normalen Stand, nachdem es am Wochenende, als der Bruch eines polnischen Staudamms zu einer Flutwelle führte, auf sechs Meter über das normale Niveau gestiegen war. Im Uferbereich stehen allerdings noch zahlreiche Keller unter Wasser. Noch immer stark betroffen sind die an der Neiße auf flachem Gelände liegenden Vororte Hagenwerder und Weinhübel.
Hilfe bekamen die Einsatzkräfte in Görlitz durch Feuerwehrleute aus Wiesbaden. Zwölf Personen, darunter ein Mitarbeiter der Werksfeuerwehr von Infraserv, sind seit einigen Tagen vor Ort. Beispielsweise pumpten sie neben vielen Kellern die 4000 Quadratmeter große Tiefgarage eines großen Hotels leer oder fuhren Menschen in Hagenwerder mit Schlauchbooten zu ihren eingeschlossenen Häusern, so Ilka Gilbert-Rolke, Sprecherin der Stadt Wiesbaden.

