Auch Nelson Mandela unterstützt
12.08.2010 - WIESBADEN
Von Sven Hirschler
STUDENTENHILFE Vom Wiesbadener Westend aus agiert der World University Service
Man erkennt Kambiz Ghawami nicht auf der Straße. Er ist kein Star wie, sagen wir, Shakira. Der gebürtige Iraner ist auch kein Politiker wie Nelson Mandela. Ghawami ist Vorsitzender des World University Service (WUS). Der Verein hilft ausländischen Studierenden in Deutschland. Sein Büro ist im Wiesbadener Westend, in der Goebenstraße 35.
Doch wenn Shakira und Mandela als Botschafter für mehr Bildung auftreten, werben sie für Projekte von Ghawami. Bei dem unauffälligen Mann mit der Brille und der immer akkurat gebundenen Krawatte laufen viele Fäden der internationalen Politik zusammen. „Ein Netzwerker“, nennen ihn Kollegen.
Fernstudium ermöglicht
„Wir arbeiten in über fünfzig Ländern“, sagt Ghawami. „Der WUS ist nicht politisch oder konfessionell gebunden, sondern versteht sich als eine Gemeinschaft von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern im Bildungssektor.“ Einer dieser Studenten war auch Nelson Mandela. Während seines Gefängnisaufenthaltes in Robben Island hat ihm der WUS ein Fernstudium ermöglicht.
In Deutschland hilft der WUS, wenn ausländische Studenten Probleme mit den Behörden haben. Bei der Wohnungssuche. Mit drei Auszubildenden und 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisiert Ghawami den Alltag des Vereins: Bildungskampagnen an deutschen Schulen, eine Konferenz für Entwicklungsarbeit vorzubereiten. Ein chinesischer Student hat Probleme mit dem Ausländeramt.
„Wir fördern aber auch die Rückkehr der Studenten in ihre Heimat nach Asien, Afrika und Südamerika. Sie sind die besten Entwicklungshelfer, die man sich vorstellen kann“, sagt Ghawami. Der WUS spendiert ihnen oftmals Startkapital und Kontakte. So werden aus Studenten Minister, Botschafter und Wirtschaftsbosse.
Der Verein nutzt das Netzwerk aus Ehemaligen. Allein in Deutschland hat er 280 Mitglieder und einen Jahresumsatz von 2,6 Millionen Euro. Er unterstützt Schwellenländer bei dem Aufbau eines demokratischen Rechts- und Schulsystem an. Der WUS organisiert unbürokratische Hilfe bei Krisen. Wie bei dem Erdbeben in Chile. Schließlich ist die vorherige Präsidentin Bachelet eine alte Bekannte: Seit ihrem Studium in Deutschland ist sie dem WUS verbunden.
Hessen liegt Ghawami dabei besonders am Herzen. „Gerade war ich in Vietnam mit Eintracht Frankfurt unterwegs.“ Im Rahmen des Freundschaftsjahres 2010 unterstützt der WUS einen Austausch zwischen hessischer und vietnamesischer Wirtschaft, Universitäten und eben auch Fußballvereinen. Für die Eintracht erschließt sich so ein riesiger Markt, zu dem es sonst kaum Zugang gibt. Den Kontakt hat ein WUS-Mitglied hergestellt, der heute in der vietnamesischen Regierung sitzt.
„Es ist unsere Philosophie, direkt über Menschen zu gehen“, sagt Ghawami. „Jeder kann Mitglied werden, jeder kann helfen.“ Und dann muss er sich wieder verabschieden. Ein Anruf aus Südafrika.

