Donnerstag, 02. September 2010 23:40 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/9203123.htm

Wiesbadener Kurier

Donnerstag, 02. September 2010 23:40 Uhr
Seite drucken
Suche




Inhalt Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zur rechten Spalte
Wiesbaden 

Wiesbadener Sozialbericht: Arme Kinder in der Stadt der Schönen und Reichen

31.07.2010 - WIESBADEN

Von Christoph Cuntz

Im reichen Wiesbaden gibt es viel arme Kinder. Noch schlimmer als das ist für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernhard Lorenz, dass die Kinderarmut schon lange bekannt ist. Nämlich schon seit dem ersten Jugendbericht, der 1976 erschienen war. „Seither ist die Kinderarmut stetig gewachsen“.

Das bestätigt auch Heiner Brülle. Nur: Der Sozialplaner der Landeshauptstadt sieht die Kommune nur bedingt in der Verantwortung, die Bekämpfung von Kinderarmut sei auch eine Frage der Umverteilung. „Und die ist keine kommunale Aufgabe“. Eine Stadt könne Benachteiligungen, unter denen Kinder leiden, allenfalls kompensieren. Sie könne aber keine Eigentumsarmut beseitigen.
Bernhard Lorenz und Heiner Brülle: Beide reden über den vor wenigen Wochen vorgelegten Sozialbericht zur Armut. Beide wollen das Gleiche: Um die Kinder kämpfen. Und beide hoffen das Gleiche: Dass der Sozialbericht, zu dessen Autoren Sozialplaner Brülle zählt, Grundlage wird für eine breite Diskussion.

Denn in der Stadt der Schönen und Reichen sind arme und benachteiligte Kinder in vielen Stadtteilen in der Mehrheit: Im Schelmengraben und im Inneren Westend sind mehr als die Hälfte aller Kinder von Armut betroffen. Und eine Grundschuluntersuchung aus dem Jahr 2007 ergab: Auch in Erbenheim-Hochfeld oder im Quartier Sauerland-Belzbachtal wachsen mehr als 56 Prozent der Kinder in armen oder prekären Verhältnissen auf.

Folge des individuellen Lebensstils

Anders als Sozialplaner Brülle glaubt CDU-Politiker Lorenz nicht, dass eine von Staats wegen forcierte Umverteilung ein Beitrag zur Armutsbekämpfung wäre. „Ein Versuch mit untauglichen Mitteln“. Denn Ursachen der Armut sei weniger die ungleiche Verteilung des Reichtums. Armut sei vielmehr Folge des individuellen Lebensstils.

So argumentiert Lorenz, Menschen mit Migrationshintergrund seien oft deshalb arm, weil sie kulturelle Vorbehalte hätten, sich zu integrieren. Er spricht in diesen Fällen von einer „gestörten Beziehung“ als Ursache der Armut. „Gestörte Beziehung“: Das ist aus seiner Sicht auch Ursache dafür, dass in Wiesbaden 47 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden als arm gelten. Intakte Familien, die unter sozialer Ungerechtigkeit leiden, seien hingegen „eher die Ausnahme“.

Sozialplaner Brülle hält dagegen: Dass es in Deutschland viele Alleinerziehende gibt, sei eine Folge der freiheitlichen Strukturen. Ursache von Armut sei der Mangel an Bildung. Nicht der Migrationshintergrund. Zu den Armen zählten Menschen, die nicht ausreichend qualifiziert sind. Und arm geworden seien viele, weil die Löhne für Jobs mit geringer Qualifikation gesunken sind.

Armut ist relativ

Armut in Deutschland ist relativ: Darin sind sich Lorenz und Brülle einig. Als arm gilt, wer Sozialleistungen bezieht oder darauf Anspruch hat. Bernhard Lorenz folgert daraus: „Je höher das Niveau der Sozialleistungen, desto mehr Menschen haben Anspruch darauf, und desto größer ist die Armut“. So laufe der Sozialstaat Gefahr, sich seine Armen selbst zu produzieren.

Ein Kind steht an einem Fenster und blickt auf eine mit Graffiti besprühte Wand. Foto: Archiv

Ein Kind steht an einem Fenster und blickt auf eine mit Graffiti besprühte Wand. Foto: ArchivVergrößern

Diesen Artikel ...

Normale Schrift Große Schrift Sehr große Schrift Schriftgröße

6 Kommentar(e) vorhanden

Lesezeichen anlegen bei ...

  • Favoriten
  • Mr. Wong
  • Del.icio.us
  • Linkarena
  • Digg
  • Webnews
  • Alltagz
  • Google
  • Yahoo

31.07.2010 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Kinderarmut

Jahrzehnete Zuwanderung in die Sozialsysteme. Die Politiker wollten und haben die Sache ausgesessen. Jetzt ist das Dilemma groß. Alle reden um den heißen Brei. Ohne viel Geld in das Sozialsystem zu pumpen, wird es zu einer sozialen Explosion kommen. Mindestlöhne und Vollzeitarbeit, bringen sicher Linderung. Eine gesamteuropäische Zuwanderungspolitik ist die Lösung.

31.07.2010 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

arm ist grundsätzlich niemand bei uns

was armut ist, ist relativ.jeder hat eine grundversorgung und muss nicht betteln. das hat auch mit mangelndem integrationswillen nichts zu tun. das problem ist vielschichtig,zerfall sozialer strukturen ehe, familie, alkohol, sucht usw.,mangelnde bildung der erwachsenen,schlüsselkinder, die tagsüber alleine sind usw.dafür können die kinder nichts und denen muss primär geholfen werden.das verteilen von geld an die eltern ist nicht immer der richtige weg.in frankreich gibt es seit jahrzehnten kostenlose kindergärten, ganztagesschulen, jugendfreizeiten.da zieht eine alleinerziehende von D nach F mit kind. das hat sofort einen kindergartenplatz.nur der essensaufwand wird aufgerechnet. nur die ideologischen betrachtungsweisen von erziehung haben das hier lange verhindert. wenn das in wiesbaden gewährleistet wäre, dann wäre das ein guter weg für die kinder.selbst das wirtschaftlich schwächere rheinland-pfalz ist da auf einem guten weg.
nur wir kriegskinder hatten weniger und waren deshalb nicht arm.

31.07.2010 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Zynisch

"Bei Heiner Brülle war das anders. Er hat bis zu seinem 26. Lebensjahr studiert. Auf Staatskosten."

Herr Cuntz, diesen unsachlichen, zynischen Kommentar Ihrerseits halte ich für journalistisch höchst zweifelhaft. Ist das die Quintessenz, das Fazit, das Sie Ihren Lesern zum Thema Armut mitgeben möchten? Ich bin sprachlos!

Bitte loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu diesem Artikel zu verfassen. Bitte registrieren Sie sich, wir wollen nach Möglichkeit keine anonymen Kommentare veröffentlichen. Die Redaktion sichtet jeden Kommentar und entscheidet, ob der Leserkommentar freigeschaltet wird. Beleidigungen, nicht nachprüfbare Behauptungen, erkennbare Unwahrheiten und/oder rassistische Andeutungen führen dazu, dass der Kommentar in jedem Fall nicht freigeschaltet wird - hier kostenlos registrieren.

... oder benutzen Sie unseren Anonym-Zugang: E-Mail-Adresse: anonym. Kennwort: anonym

Die Kommentare sind Meinungen der Verfasser.





Börse

 

Tagesgeld-Vergleich
1 Ikano Bank
2,22 %
2 Bank of Scotland
2,20 %
3 VolkswagenBank direkt
2,00 %
4 ING-Diba
2,00 %
5 Autobank
1,77 %
Laufzeit:3 Monate; Betrag 10.000 EURO
Festgeld-Vergleich
1 Autobank
2,07 %
2 Oyak Anker Bank
2,00 %
3 Ziraat-Bank
2,00 %
4 Sparda-Bank Hamburg
2,00 %
5 BKM Bausparkasse Mainz
1,76 %
Laufzeit:12 Monate; Betrag 10.000 EURO
Ratenkredit-Vergleich
1 PSD Bank Hannover
4,91 %
2 Ikano Bank
4,99 %
3 PSD Berlin-Brandenburg
5,11 %
4 Sparda-Bank West
5,11 %
5 Onlinekredit.de
5,40 %
Laufzeit:36 Monate; Betrag 10.000 EURO
Baugeld-Vergleich
1 SKG Bank
2,84 %
2 Europa
2,85 %
3 Cosmos direkt
2,88 %
4 Hypovereinsbank
2,90 %
5 Deutsche Bank
2,94 %
Laufzeit:10 Jahre; Betrag 100.000 EURO

Veranstaltungen


Wetter

Wiesbaden

heiter
9 – 21 °C
Mittwoch
wolkig
10 – 22 °C
Heute
wolkig
11 – 22 °C
Freitag
Mehr Wetter

Themenabo: Denken.Lernen.Erinnern

Abstimmung

Derzeit steht die Hygiene in Krankenhäusern im Blickpunkt öffentlicher Diskussionen. Haben Sie Bedenken, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen?




Videos

ESWE Versorgung

Sonderveröffentlichungen

Specials

Wiesbaden 2020

Logo zum Special "Wiesbaden 2020"

Svens Schnellschuss

Logo zum Special "Svens Schnellschuss"

Opel

opel

Kruschel

Flughafenausbau

Flughafen Frankfurt am Main

Klimawandel

Klimawandel

Druckbar

Foto: Jonny Lye/fotolia.com

14 Tage kostenlos Probelesen










Fuß Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
Ende der Seite Zurück zum Service | Zurück zu den Verlagsservices | Zurück zur Navigation | Zurück zum Inhalt | Zurück zur rechten Spalte
0.631414175034 Sekunden