Unwetter: Ein kurzer und heftiger Einsatz für Wiesbadener Feuerwehren
16.07.2010 - WIESBADEN
Von Cornelia Diergardt
„Olivia“ forderte am Mittwoch ganzen Einsatz. „Kurz und heftig war‘s“, bilanziert Arnd Mettin vom Lagedienst der Berufsfeuerwehr. Innerhalb des nur 45-minütigen Unwetters wickelten die Hauptamtlichen mit Unterstützung aller freiwilligen Feuerwehren 300 Einsätze ab.
Zwei Tonnen schwer
Spektakulär war ein Einsatz in der Blücherstraße in Wiesbaden, wo sich ein drei Meter langer und zwei Tonnen schwerer Schornstein aus der Verankerung löste und in zwei Teile brach. Der größere Teil schlug in das Dach ein und verkeilte sich dort. Die Bewohner erlitten keinen Schaden. Während des Einsatzes, an dem auch der Höhenrettungstrupp der Berufsfeuerwehr beteiligt war, mussten zwölf geparkte Fahrzeuge entfernt werden.
Zu kämpfen hatten die Retter vor allem wegen der schweren Sturmböen, die unter anderem in Geisenheim mit 88 Kilometern in der Stunde durch die Straßen schossen. Für Wiesbaden kann der Frankfurter Wetterdienst keine Zahlen nennen. Gegossen hat es wie aus Eimern mit Spitzenwerten bundesweit von 30 Litern Regen pro Quadratmeter. Die Zahlen in der Region: 5,4 Liter in Geisenheim, 7 Liter in Wildsachsen, auf dem Mainzer Lerchenberg 9 Liter. Auch hier liegen für die hessische Landeshauptstadt keine Daten vor.
Keine überfluteten Keller
Unterm Strich hieß das für die Feuerwehren: Keller waren wegen des spukartig-kurzen Unwetters nicht überflutet. Doch stürzten massenweise Bäume um, brachen Äste ab und blockierten die Straßen. 450 Notrufe gingen bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Westhessen ein, davon 61 wegen des Unwetters.
Für die Forstämter geht nun die Arbeit richtig los. Die Höhe des Schadens kann Sabine Rippelbeck, stellvertretende Leiterin des städtischen Amts für Grünflächen, Landwirtschaft und Forsten, noch nicht beziffern. Nur so viel: „Ganz böse sieht es in Medenbach, Heßloch und auf dem Neroberg aus. In Frauenstein und Kohlheck hält sich der Schaden in Grenzen.“ Und: Die Aufräumarbeiten seien auf keinen Fall bis zum Wochenende erledigt.
Bus wurde von Bäumen "eingekeilt“
Rund 40 Feuerwehr-Einsätze meldeten die Leitstelle in Bad Schwalbach und Kreisbrandinspektor Gunther Reiber für den Rheingau-Taunus-Kreis. Menschen seien nicht verletzt worden. Die Polizeistationen in Eltville und Rüdesheim hatten keine besonderen Vorkommnisse registriert. Auch das Weinbauamt Eltville teilte mit, dass es in den Weinbergen keine größeren Schäden und Abschwemmungen gegeben habe. Sorgen machten sich die Kirchengemeinden in Winkel, Geisenheim und Rüdesheim, wo die Türme der katholischen Pfarrkirchen eingerüstet sind. Das höchste Gerüst am Rheingauer Dom in Geisenheim schwankte bedrohlich, berichtete Stadtbrandinspektor Thomas Kempenich.
Alle Hände voll zu tun hatten die Feuerwehren in Taunusstein. Auf der Straße zwischen Hahn und Wingsbach musste ein von Bäumen eingekeilter Bus „befreit“ werden. „Zum Glück gab es nirgends Personenschäden“, so Norman Enk, stellvertretender Stadtbrandinspektor von Taunusstein. Viel zu tun hatt die Feuerwehr auf dem Parkplatz hinter dem Aartalcenter in Bleidenstadt. Da die Kanalisation verstopft war, stand dort das Wasser rund einen halben Meter hoch und überschwemmte auch eine Kneipe und Geschäfte.
Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Meteorologe Simon Trippler vom Frankfurter Wetterdienst prognostiziert in der Nacht auf Samstag ein „Gewitter, aber kein Unwetter“. Natürlich ohne Gewähr.

