Akku- statt Muskelkraft
15.07.2010 - WIESBADEN
Von Jorg Hamm
ELEKTRORAD Auf dem Weg zum Massenverkehrsmittel / Zehn Verleihstationen in Wiesbaden
Das Argument, Wiesbaden sei wegen der Topographie nicht geeignet fürs Radfahren, zählt jetzt nicht mehr. Es spricht also alles für die massenhafte Ausbreitung der Elektroräder. Den leergefahrenen Akku kann man über Nacht zuhause an der Steckdose aufladen (Kosten: sechs Cent). Und: Elektroräder gibt es auch mit Anhängern, wer mal einen Großeinkauf machen muss oder kleine Kinder dabeihat.
Keine städtische Förderung
Sollte die Stadt diese umweltfreundliche Entwicklung nicht fördern, etwa indem sie städtische Grundstücke für Verleihstationen zur Verfügung stellt oder statt Dienstwagen Dienstfahrräder mit Akku anschafft? Leider Fehlanzeige. So sagt der Fahrradbeauftragte der Stadt, Gerald Berg: „Ich habe keinen Auftrag, hier tätig zu sein. Außerdem haben wir Haushaltssperre.“ Auch Michael Gediga macht sich wenig Hoffnung: „Vor zwei Jahren haben die Wiesbadener Elektrorad-Verleiher ein Konzept vorgelegt, das Verleihstationen in ganz Wiesbaden mit 250 Rädern vorsah. Unser Vorschlag wurde als interessant bezeichnet. Danach haben wir nichts mehr gehört.“
Verkehrsplaner Joachim Porrada vom Integrierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Rhein-Main (ivm), glaubt, dass es mittelfristig in der gesamten Region ein Verleihsystem für Elektroräder geben wird: „Im Unterschied zu Elektroautos sind Elektroräder längst auf unseren Straßen unterwegs.“ Das ivm arbeite an einem einheitlichen Leih- und Bezahlsystem und am Aufbau einer Infrastruktur. Porrada: „Es muss möglich sein, zu jeder Zeit in Wiesbaden ein Rad auszuleihen und in Frankfurt abzugeben.“ Doch der Aufbau werde noch einige Zeit dauern. Die öffentliche Hand habe derzeit kein Geld dafür, die Bundesregierung fördere lieber Autos und Investoren sei die Rendite bei einem solchen System nicht hoch genug. Deswegen würde der Markt weiterhin von Kleinanbietern wie movelo bestimmt.
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