Entspannungs-Mantras und Mitarbeiter-Theater
12.06.2010 - WIESBADEN
Von Julia Anderton
RHEIN-MAIN-HALLEN Fachmesse Personal und Weiterbildung setzt auf vielfältige Informationen und Innovationen
Der Mann hat’s gut: während die Kollegen im Büro sitzen, ruht er mit ausgestreckten Armen und Beinen auf einer Liege, die für eine Shiatsu-Massage programmiert ist. Die Augen sind hinter einer Brille verborgen, welche ihn in Tiefentspannung versetzt, und hören muss er auch nur, was ihm gefällt: über Kopfhörer wird nach ruhiger Musik ein Mantra eingespielt, das ihm wahlweise zu mehr Selbstbewusstsein verhilft, den Stress minimiert oder einen erfolgreichen Verkäufer aus ihm macht.
„Immer mehr Firmen erkennen, dass man den Mitarbeitern heutzutage etwas Positives anbieten muss“, sagt Daniele Brieske von „BrainLight“. Sie präsentierte die Entspannungsliegen auf der Fachmesse Personal und Weiterbildung mit 200 Ausstellern und 150 Fachvorträgen, die parallel zum DGFP-Kongress in den Rhein-Main-Hallen stattfand. „Auf diese Weise können die Angestellten in der Mittagspause rasch Energie tanken. Das beugt langfristig der Abwanderung von Mitarbeitern oder auch dem Burn-Out-Syndrom vor“, weiß die Repräsentatin.
Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, Mitarbeiter seelisch gesund zu halten. Depressionen könne etwa ein anonymes Telefonseelsorgeprogramm entgegenwirken, das von externen Dienstleister angeboten werde, erklärt Tjalf Nienaber von Hewitt Associates. „In den USA ist das schon seit Jahren üblich und zeigt Wirkung.“
Vermehrte Krankmeldungen
Wichtig sei außerdem, den Arbeitsalltag zu entschleunigen, indem beispielsweise nicht erwartet werde, dass alle E-Mails binnen 24 Stunden beantwortet sein müssten, ergänzt sein Kollege Bernd Paetzner. Über kurz oder lang fordere sonst die Sorge um den Arbeitsplatz bei zunehmender Verdichtung der Aufgaben ihren Tribut, was letztlich durch vermehrte Krankmeldungen den Arbeitgeber eine Stange Geld koste.
Doch auch in körperlicher Hinsicht kann man einiges für das Wohlergehen tun: „Fehlende Mitarbeiter sind nun mal eine riesiger Kostenfaktor. Allein Rückenschmerzen machen ein Drittel der Krankmeldungen aus.“ Dabei könne man durch entsprechende Sitzmöbel effektiv vorbeugen.
Neben Hinweisen zum Gesundheitsmanagement erhielten die Messebesucher zahlreiche Informationen zu Aus- und Weiterbildung, berufsbegleitenden Studiengängen, Zeitarbeit, Bewerbungshilfen, juristischen Aspekten, innovativer Software und Eventgestaltungen. Für letztere kann man beispielsweise für den firmeninternen Gebrauch das Hamburger Ensemble „Scharlatan“ mieten, das den Mitarbeitern mit Hilfe eines Theaterstücks anstehende Veränderungen vermittelt. „Vor allem mit Humor klappt das gut“, sagt Mirja Dajani. Als Themen böten sich etwa künftige Fusionen, neue Leitlinien oder Verkaufstrainings an. Allerdings gebe es auch Tabus, wie der Wegfall von Arbeitsplätzen. Besonders oft werde das Ensemble übrigens in der Finanzbranche gebucht.
Bagatellschäden
Nicht erst in Zeiten, wo Kassiererinnen wegen der Einlösung eines liegengelassenen 1,30 Euro-Bons gekündigt wird, besteht ein Markt für Detektive - Manfred Lotze ist seit 44 Jahren im Geschäft. Seine Firma macht sich zwar nicht auf die Suche nach fehlenden Kulis. Auch wenn Lotze betont, dass durch sogenannte Bagatellschäden den Unternehmen deutliche Verluste entstehen. Vielmehr kann der erhöhte Gebrauch von Kopierpapier der Auslöser für einen Einsatz sein - weist er doch daraufhin, dass die Ursache für den Papierschwund in Kopien von Geschäftsgeheimnissen liegen könnte. Wie gut, dass den Besuchern an Messeständen neben Gummibärchen, Pralinen oder Erdbeeren auch Kulis gratis angeboten wurden - da durfte man dann gefahrlos zugreifen...

