Wiesbaden: Rönsch-Stiftung „Daheim im Heim“ hofft weiter auf Gauck-Besuch
08.06.2010 - WIESBADEN
Von Christoph Cuntz
Hoffen und Bangen bei der von Hannelore Rönsch gegründeten Stiftung „Daheim im Heim“: Möglicherweise hat sie das große Los gezogen, als sie Joachim Gauck im März als Referenten gewann. Am 24. Juni – nur wenige Tage, bevor die Bundesversammlung den Bundespräsidenten wählt – soll er in der Henkell-Sektkellerei vor Gästen der Stiftung einen Vortrag halten. Möglicherweise wird die Stiftung eine bittere Enttäuschung erleben. Denn ob Gauck tatsächlich kommt, ist ungewiss geworden, seit ihn SPD und Grüne als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominierten.
Mehr Raum für Gauck
Nach Wiesbaden ist Gauck als Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen, für Demokratie“ eingeladen. Der 70-Jährige hatte sich durch seinen Widerstand gegen das DDR-Regime und später als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes einen Namen gemacht. Hannelore Rönsch wiederum hatte ihre Stiftung gegründet, als sie als Bundesfamilienministerin (1991 bis 1994) den Notstand kennenlernte, der in der Altenhilfe der neuen Bundesländer herrschte. Ein Mitarbeiter des von Joachim Gauck geleiteten Vereins sagte gestern, in dieser Woche solle geklärt werden, ob Gauck alle seine Vorträge, die für diesen Monat terminiert sind, halten könne. Seit seiner Nominierung seien ein Fülle weiterer Termine hinzugekommen.
Gaucks geplanter Auftritt in Wiesbaden: „Er ist jetzt um ein paar Grade interessanter geworden“, sagt Heinz Benner, Sprecher der Stiftung „Daheim im Heim“. Henkell hatte zunächst einen Saal zur Verfügung gestellt, der 120 Besucher fasst. Aber nun habe die Sektkellerei eine interne Veranstaltung abgesagt, die ebenfalls am 24. Juni stattfinden sollte, so Heinz Benner. Gauck könnte nun im großen Saal sprechen. Der bietet 200 Gästen Platz.
Sektkellerei allemal präsidiabel
Mit dem Interesse an Gauck ist das Risiko für die Stiftung gewachsen. „Entweder, wir erhalten bald die erlösende Nachricht, dass er kommt. Oder aber wir müssen den bereits eingeladenen Gästen absagen“, sagt Benner. Präsidiabel ist die Sektkellerei allemal: Im September 1996 war der damalige Bundespräsident Roman Herzog hier, als er 120 Botschaftern Wiesbaden und den Rheingau zeigte.

