Kurzfilme voll Gegenwind
15.05.2010 - WIESBADEN
Von Julian Ebert
FILMREIF Siegerteams des Wettbewerbs planen Dreharbeiten / Professionelle Unterstützung
Filmemachen sei wie das Leben, aus dem man die langweiligen Stellen herausgeschnitten hat, lautet ein Leitsatz des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa. Ein Overhead-Projektor wirft diese Weisheit auf eine Leinwand, als sich am Mittwoch die zwei Siegerteams des diesjährigen Filmwettbewerbs "Filmreif" im Medienzentrum zu einer ersten Planungsrunde treffen. Für Langatmigkeit wird in ihren Filmprojekten tatsächlich kein Platz sein, werden sie doch in den nächsten Wochen ihre Ideen in zwei siebenminütigen Kurzfilmen zum Thema "Gegenwind" filmkünstlerisch realisieren.
"Wie in einem Comic"
Maria Weyer, Projektleiterin des Medienzentrums, gibt einen Überblick auf die weiteren Schritte auf dem Weg zum fertigen Film: Drehbuch, Rollenbesetzung, Storyboard, Ton und die Wahl der passenden Musik sowie Kostüme müssen gut durchdacht sein, denn jeder dieser Schritte ist ein Puzzleteil im Prozess der Filmproduktion, für die den Gruppen je ein Budget von 150 Euro zur Verfügung steht.
"Im Storyboard etwa werden die einzelnen Szenen aufgedröselt, wie in einem Comic soll es die Szenen zeichnerisch vorwegnehmen", erklärt Weyer. "Das Drehbuch hingegen dient als Grundlage für das Team, es ist das Skript des Films", fügt sie hinzu. Wo und in welcher Szene etwa "eine Vase zerdeppert" werde, ist hier genau festgehalten.
Die Gruppen sind die Finalisten der beiden Altersklassen des Wettbewerbs, die 14- bis 16-Jährigen sind Schüler der Gutenbergschule, die 17- bis 20-Jährigen besuchen die Diltheyschule. Ihre Ideen haben sie mit ihren Lehrerinnen im Unterricht entwickelt, die ihnen dann auch eine Teilnahme bei "Filmreif" vorgeschlagen haben - mit Erfolg, wie man sieht. Und in ihren Entwürfen zu den Filmprojekten nimmt das recht abstrakte Thema konkrete Gestalt an: Die Älteren aus einem Deutschkurs der elften Klasse haben während der Lektüre von Lessings "Emilia Galotti" erste Gedanken zu ihrem Kurzfilm "Sanchez" entwickelt, der wie das zugrundeliegende Werk Intrigen und gesellschaftliche Barrieren spannend thematisiert.
Die 14- bis 16-Jährigen hingegen haben bei einem kreativen Schreibprojekt ihre Ideen zu ihrem Film "Freundschaft mit Hindernissen" erarbeitet. Dieser schildert die Grenzen und Hindernisse menschlicher Kommunikation und deren Scheitern an äußeren Umständen. Professionelle Unterstützung erhalten sie von Simon Rauh und Christian Rall, beide routinierte Filmtechniker. "Wir haben zwar wenig Zeit", sagt Rauh, "aber am Ende kommen super Kurzfilme mit tragendem Inhalt heraus, deren Dramaturgie stimmt. Wir stecken echt viel Energie da rein."
Am 2. Juli werden die Filme im Caligari gezeigt. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

