Schatzsuche mittels GPS-System
06.04.2010 - WIESBADEN
Von Laura-Julie Weißkopf
NEROBERG "Osterevent" im Kletterwald
Durch das Braun der Bäume glänzen die Kuppeln der griechischen Kapelle - auch ohne Sonnenlicht. Ein junger Mann knipst mit seiner Spiegelreflexkamera. Seine Freundin posiert zwischen den Säulen des Monopteros. Daneben steht seine Großmutter Erna und bewundert den Blick über Wiesbaden. "Wir kommen aus dem Flachland", sagt die alte Dame, die aus der Nähe von Hannover angereist ist, "da ist das hier schon was anderes." Auf den Neroberg zieht es trotz des durchwachsenen Wetters am Wochenende Wiesbadener und ihren Osterbesuch.
3000 fahren Bahn
"An den Ostertagen ist immer viel los", sagt Volker Hohmann, stellvertretender Betriebsleiter der Nerobergbahn. Am sonnigen Karfreitag seien knapp 3000 Menschen mit Wiesbadens bekanntester Bahn gefahren. Während die Bahn nach unten fährt, lässt sich ein Junge von seinem Opa erklären, wie sie funktioniert. "Mit dem vielen Wasser im Bauch ist die Bahn so schwer, dass sie von allein den Berg herunter fährt."
Für Attraktionen auf dem Neroberg sorgt der Kletterwald mit seinem "Osterevent". Mit Pfeil und Bogen können Besucher auf eine Zielscheibe in Ostereierform schießen oder eine Schatzsuche via GPS-System starten. Für die Kleinen gibt es einen Kletterparcours. Hier können die Kinder versuchen, ein Plastik-Osterei in einem auf den Helm geklebten Eierbecher über Baumstämme und Seile zu balancieren. "Wenn sie es schaffen, bekommen sie natürlich ein Geschenk", sagt Kletterparkleiter Hao Lam und nickt in Richtung eines Korbs mit Schokoladeneiern. Und wenn sie es nicht schaffen? "Dann auch", lacht er.
Der Gewinner des Tages hat aber nicht bei dem Geschicklichkeitsparcours mitgemacht, sondern gute Augen bewiesen. Hans-Helge (20) trägt neonfarbene Osterhasenohren auf seinem Helm und hat vier der insgesamt zehn Kletterwald-Ostereier gefunden. Deshalb kann er heute mit drei Begleitern umsonst klettern. Zu sechst sind die Abiturienten aus Alzey angereist. Ganz so einfach sei es nicht gewesen, die Ostereier zu entdecken, erzählt Hans-Helge, "aber wer suchet, der findet." Nicht besonders schwer zu finden ist hingegen Lehrerin Nicole Sommer-Kundel. Ihr lautes Kreischen und Lachen verrät sofort, wo sie ist. "Sag mal, wackelt das bei dir auch so?" ruft sie über die Schulter und balanciert tapfer bis zu einer Plattform.
Aus dem Wald stapft händchenhaltend ein Paar mittleren Alters. Sie sind Kurgäste in Wiesbaden. Im Amphitheater hüpft eine Familie die Stufen hinunter. "Und hopp", rufen die Eltern. Ein paar Meter weiter hört man nur noch den Wind und die zwitschernden Vögel. Und vielleicht noch das Lachen von Nicole Sommer-Kundel, die an ihrem Sicherungsseil in den Baumwipfeln schwankt.

