Spielerisch den Weg zum Glauben ebnen
25.02.2010 - WIESBADEN
Krabbelgottesdienste erfreuen sich auch in den Stadtteilen bei Kindern und Eltern zunehmender Beliebtheit
Ein Krabbel-Gottesdienst? Ist in diesem Wort nicht schon ein Widerspruch enthalten? Wie kann man Gottesdienst halten, wenn die angesprochene Zielgruppe noch nicht einmal laufen, geschweige denn lesen oder verstehen kann, was Pfarrer oder Pfarrerin ihnen sagen wollen? Das könnte man meinen, aber die Wirklichkeit sieht anders aus.
Von
Anja Baumgart-Pietsch
In vielen Wiesbadener Gemeinden, ob evangelisch oder katholisch, finden solche Krabbelgottesdienste statt, meist mit großem Erfolg und über viele Jahre hinweg als regelmäßiges Angebot. Sie heißen mal "Krümel-Gottesdienst", mal "Zwergen-Gottesdienst" - aber alle wollen sie das Gleiche: Kindern einen Weg zu Gott zeigen, sinnlich und spielerisch, eine Heimat anbieten und den Eltern das gute Gefühl, dass ihre Gemeinde ein Angebot für alle Altersgruppen hat. Sie müssen nicht zu Hause bleiben, bis das Kind "alt genug" ist - oder andererseits genervte Blicke von Kirchenbesuchern in den Gottesdiensten ertragen, wenn das Kleine mal schreit oder durch die Gänge läuft.
Viele ErfahrungenDie evangelische Gemeindepädagogin Ingrid Seiler kümmert sich für das Dekanat Wiesbaden um das Thema "Kirche mit Kindern". Sie hat viele Erfahrungen mit Gottesdiensten für die Allerkleinsten gesammelt und weiß auch, dass nicht alle etwas damit anfangen können. Dass es ja nur etwas für die Mütter sei, dass man die Kinder damit überhaupt nicht erreiche, ist ein Gegenargument - oder, dass man den Kindern doch erst Gelegenheit geben könne, sich bewusst für den christlichen Glauben zu entscheiden, wenn sie dazu alleine in der Lage seien.
Doch Ingrid Seiler ist eine überzeugte Verfechterin der Krabbelgottesdienste, die sie selbst in verschiedenen Gemeinden abhält und bei deren Gestaltung sie auch gerne alle berät, die daran Interesse haben. Eine Vielzahl von Materialien hat sie in ihrem Büro in der Johannesgemeinde parat, zum Beispiel die bekannten Egli-Figuren. Diese Figuren nach Entwurf einer Schweizerin kann man in speziellen Kursen selbst anfertigen, erzählt Ingrid Seiler. Wenn man ihnen unterschiedliche Kleider und Requisiten gibt, kann man alle biblischen Geschichten mit ihrer Hilfe anschaulich darstellen.
Kinder sind fasziniert Anschaulichkeit ist das Wichtigste für Kinder: Mit Hilfe von Bildern, Puppen, Geschichten, die vorgespielt werden, Lieder mit Gesten oder kleinen Bastelaktionen werden Kinder ganz schnell fasziniert sein von den biblischen Texten. "Glauben funktioniert ja nicht nur über den Kopf", weiß Ingrid Seiler. Und so setzt sie auch schon mal eine Puppe ein, die auf den ersten Blick nichts mit einem Gottesdienst zu tun hat: "Eulalia" heißt die Plüsch-Eule, die in Kloppenheim die Kinder begrüßt. "Das kommt daher, weil dort im Kirchturm Eulen brüten", erklärt die Gemeindepädagogin. Da lässt sich die Kirchen-Eule gut einsetzen, um die Kinder an die von ihr erzählten Geschichten heranzuführen. Und ob es die Arche Noah ist oder Moses im Weidenkörbchen, ob Jesu wundersame Brotvermehrung oder der Heilige Geist, der zu Pfingsten zu den Menschen gesandt wird: "Kinder hören zu", ist die Erfahrung von Ingrid Seiler.

