Von Olaf Streubig
HEIMATBESUCH Kristina Köhler beim Neujahrsempfang der CDU-Stadtbezirke/Unterstützung von Parteikollegen/ Diskussion um Doktortitel ist "unfaire Kampagne"
Der Besuch in der Heimat strich ein bisschen Balsam auf die gestresste Politiker-Seele. Großzügiger Applaus, wohlwollende Schulterklopfer und herzliche Worte. Der erste Auftritt der neuen Bundesfamilienministerin Kristina Köhler im eigenen Wahlkreis tat gut. Die massive Kritik der vergangenen Tage schien beim Neujahrsempfang der CDU-Stadtbezirke Mitte, Rheingau-Hollerborn und Westend jedenfalls weit weg.
"Erst" sechs Wochen im Amt
Profil- und Ideenlosigkeit im neuen Amt waren der 32-Jährigen vorgeworfen worden - eine Einschätzung, die an der CDU-Basis mit Unverständnis quittiert wird. "Kristina ist doch erst 42 Tage im Amt, man muss ihr Einarbeitungszeit zugestehen und die Möglichkeit, sich bei 600 Mitarbeitern einen Überblick zu verschaffen", sagte Mitte-Ortsvorsteherin Maria Seibert-Gölz (CDU).
Verbaler Testlauf
Wie zum Beleg, dass sie die Materie des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend inzwischen beherrscht, referierte Köhler über "vollzeitnahe Teilzeitbeschäftigung", Arbeitskonten oder die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Ein verbaler Testlauf für künftige Auftritte.
Insgesamt sei die CDU gut aufgestellt, dürfe aber bei allem modernen Elan ihre traditionellen Werte nicht vernachlässigen, meinten einige der 150 Gäste am Rande des Neujahrsempfangs. "Frau Merkel muss aufpassen, dass sie nicht zu weit nach links rückt und konservative Vorstellungen verletzt", ließ ein Parteimitglied wissen. Mit Kristina Köhler scheint die Basis sehr zufrieden und bewertet die jüngste Diskussion um Köhlers Doktortitel als "unfaire Kampagne, geschürt durch irgendwelche Neider". Verschiedene Medien hatten angezweifelt, dass die Wiesbadenerin ihre Doktorarbeit eigenständig erstellt hat. Dass Köhler daraufhin der Bild-Zeitung mit juristischen Schritten drohte, wirkte selbst für einige CDU-Mitglieder befremdlich. "Das war dünnhäutig, aber sie wird sicher etwas dazu sagen", hoffte eine ältere Dame zu Beginn des Neujahrsempfangs. Sie wurde enttäuscht.
Seitenhiebe auf SPD
Peer-Sebastian Tiebing, Vorsitzender des CDU-Stadtbezirks Westend, blickte zunächst auf das Wahljahr 2009 zurück, nebst Seitenhieben auf die unterlegene SPD-Kandidaten Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Bundestagswahl und Ernst-Ewald Roth bei der Landtagswahl. Astrid Wallmann, die den Wahlkreis 30 vor Roth gewonnen hatte, berichtete kurz über ihren "aufregenden Start" in der Landespolitik und lobte Kristina Köhler als "echte Freundin".
Die Ministerin spielte den Ball artig zurück, bedankte sich bei Wallmann und allen Wiesbadener Parteifreunden. Ohne deren Unterstützung im Wahlkampf und das errungene Direktmandat, wäre sie heute kein Mitglied des Bundestages. Köhler betonte: "Wir sind alle zusammen Ministerin geworden." Beifall und freundliches Nicken allenthalben. Balsam, der einfach gut tat.


Frau Köhler startete die Kampagne mit dem Dr. Titel
Frau Köhler warb im Wahlkampf mit ihrem Titel. In den Interviews und Hofberichterstattungen regionaler wurde sie als Powerfrau präsentiert, die ihre Promotion neben der umfangreichen Tätigkeit als Bundestagsabgeordneten absolviert. Wenn also in dem Artikel von Olaf Streubig CDU – Mitglieder von einer unfairen Kampagne „irgendwelcher Neider“ sprechen, dann spricht dies einfach für das Niveau der CDU – Basis.
Es sind nicht „irgendwelche Neider“ sondern Journalisten wie Thorsten Denkler von der SZ oder Christoph Gehring im Deutschlandfunk. Gehring bezeichnet Köhlers Promotionsarbeit als „ein Werk, das weniger vom Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit, sondern mehr von dem Wunsch nach einem akademischen Titel geprägt ist.“ Die Qualität des Themas fällt natürlich auch auf das Institut für Politikwissenschaften in Mainz zurück, denn offensichtlich handelt es sich hierbei um eine Doktormühle für Jungpolitiker.
Das Frau Köhler verspricht, alles in ihrem Pressespiegel (Homepage Kristina Köhler) zu ihrer Person zu verlinken, jedoch nur die Köhler freundlichen Artikel werden verlinkt. So offenherzig arbeitet pardon twittert und kaspert das System Köhler.