Von Birgit Emnet
Der letzte Aufprall war der Entscheidende zuviel: Die Eisenbahnbrücke über die Flachstraße ist jetzt so beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr lohnt. Folge: Die Nikolauszüge der Nassauischen Touristikbahn (NTB) auf der Aartalbahnstrecke mussten sämtlich ausfallen, über 1.000 Tickets rückerstattet werden.
Ein herber Schlag für die Freunde der Museumsbahn und vor allem für den Verein. „Fünf von sechs Zügen waren ausverkauft, der sechste schon zur Hälfte voll“, sagt NTB-Vorsitzender Marcus Giebeler, der nicht nur den Schaden für seinen Verein auf rund 10.000 Euro beziffern muss, sondern auch „viele traurige Gesichter“ bei der Rückerstattung der Karten gesehen hat. Es sei nämlich gar nicht so einfach, an Tickets für das begehrte Ereignis zu kommen, wie Giebeler weiß.
Eine eigentlich glückliche Kartenbesitzerin war Gabriele Thomas aus Schierstein. Die 60-Jährige wollte mit ihrer Schwester und zwei Enkeln den Nikolauszug der NTB nehmen, hatte, wie sie sagt, gerade noch vier Fahrkarten ergattert, und ist jetzt „stinkesauer“: „Die Kinder standen ganz bedippelt da“, hätten sich „ganz toll“ auf das besondere Nikolaus-Erlebnis gefreut. „Und ich wollte mit dieser Aktion ja auch die Aartalbahn unterstützen.“
Querträger schwer beschädigt
Was ist geschehen? Bei einem Verkehrsunfall am 20. November wurde ein Querträger der Brücke über die Flachstraße in Dotzheim durch einen Lastwagen erneut schwer beschädigt. Grund einmal mehr: Die geringe Verkehrshöhe von nur 3,60 Meter, auf beiden Seiten auch durch Beschilderung ausgewiesen, reichte nicht aus für einen Lkw, der mit seinem Aufbau hängen blieb.
Die Begutachtung des betroffenen Querträgers ergab, dass der Schaden kurzfristig und mit einfachen Mitteln nicht behoben werden kann. Die Brücke – und damit faktisch auch beinahe die gesamte Aartalbahn – ist daher bis auf Weiteres für den Eisenbahnverkehr gesperrt. Bei der Vorstandssitzung gestern wurde nun seitens der NTB Kassensturz gemacht und die Lage besprochen. Vorsitzender Marcus Giebeler sagt, die nächsten turnusgemäßen Fahrten des Dampfzuges (Slogan „Bahnfahren im Stil der 50er Jahre“) wären an Ostern, er rechne realistisch aber nicht damit.
Nur 3,60 Meter Durchfahrtshöhe
Einen längeren Fahrtenausfall hatte es bereits nach dem Unfall im Mai 2007 gegeben, bei dem ein Lkw-Transporter, der einen Bagger geladen hatte, so heftig gegen die Brücke prallte, dass er verkeilte und das Bauwerk regelrecht aus den Angeln gehoben wurde. „Die geringe Durchfahrtshöhe von 3,60 Metern stellte schon immer ein Problem dar“, ist den Mitteilungen der NTB aus dem Jahr 2007 zu entnehmen. „Immer wieder blieben Lkw am westlichen Hauptträger hängen, obwohl an der Brücke gut sichtbare Warnhinweise angebracht sind. Den bislang spektakulärsten Unfall verursachte ein Autotransporter, der an der Brücke sechs nagelneue Opel Omega abstreifte.“
Und der Dotzheimer Ortsvorsteher Manfred Ernst, unmittelbarer Brückennachbar in der Flachstraße, berichtet von häufigen Schlägen und Kratzern, die er hört, wenn manche Laster sich gerade noch durchmogelten. „Manche wissen anscheinend gar nicht, wie hoch ihr Lkw eigentlich ist.“ Dass die Straße, weil erst Anfang der 60er Jahre gebaut, sich unter der Eisenbahnüberführung in einer Mulde absenkt, sieht Ernst ebenfalls als verkehrstechnisches Problem. Schon dadurch bleibe mancher hängen. Der Ortsbeirat wolle sich in seiner Sitzung am Mittwoch jedenfalls mit dem Thema befassen, denn: „Man lässt den Verein jetzt im Regen stehen“, wie Ernst bedauert. „Es muss etwas geschehen, damit die NTB überleben kann.“


Versicherungschaden und Zukunftsinvestition
Zum einen verstehe ich nicht, inwie weit das ganze nicht ein "einfacher" Versicherungsfall ist.
Der Unfallversursacher an der Brücke ist bekannt, das "schuldige" Fahrzeug ist versichert.
Natürlich kann über die Höhe des Unfallschadens gestritten werden - doch zumindest sind hier grundsätzlich Finanzmittel zu bekommen.
Zum anderen geht es einfach um die Zukunft des Nahverkehrs für Wiesbaden und den Untertaunus.
Natürlich ist der Schaden für die NTB sehr zu bedauern und es ist zu befürchten, daß die Vereinsaktivitäten darunter leiden werden.
Doch andere Städte würden uns um die grundsätzliche Möglichkeit beneiden, eine vorhandene Gleisverbindung mit dem Umland zu besitzen und so eine Chance zu haben, den Nahverkehr umweltverträglich ausbauen zu können.
Doch ebenso wie bei den nicht erfolgten lfd. Sanierungen für die Schulen u.a. Aufgaben verschläft hier die Stadt einfach die Möglichkeiten und wartet auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.
Toll, wenn wir den "Ball des Sports" auch weiterhin als Prestigeobjekt haben - doch das bringt keine Zukunft für die Stadt und seine BewohnerInnen.