Von Jutta Schwiddessen
Asiatischer Neujahrsempfang im Kurhaus: Neues Ambiente für deutsch-asiatisches Wirtschaftsforum fand Anklang
WIESBADEN. Rund 1000 Gäste aus Wirtschaft, Diplomatie und Politik begegneten sich gestern Abend in Wiesbaden bei Deutschlands größtem asiatischem Neujahrsempfang - einer wichtigen Geschäfts-Kontaktbörse des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises.
Den Ball des Sports haben sich die Wiesbadener zurückgeholt, jetzt machte Oberbürgermeister Helmut Müller den Frankfurtern auch den Deutsch-Asiatischen Neujahrsempfang abspenstig. Kollegin Petra Roth soll es ihm allerdings leicht gemacht haben. Der Präsident des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises (DAW), Bodo Krüger, mag es nämlich gar nicht, wenn man seinen Verband, der fast 2000 Unternehmen und Institutionen vereint, unterschätzt und begründete den Umzug von Frankfurt nach Wiesbaden mit deutlichen Worten: "Obwohl in Frankfurt 22 asiatische Konsulate ihren Sitz haben, verhält sich Oberbürgermeisterin Petra Roth den Diplomaten gegenüber auffallend abweisend." OB, Kurhaus-Chef und Wirtschaftsförderung in Wiesbaden hätten den Verband hingegen mit offenen Armen empfangen. Und ein schöneres Ambiente, meinte Krüger, könne man sich nicht vorstellen.
Das empfanden offenbar auch die rund 1000 Teilnehmer des Wirtschafts- und Kontaktforums so. Im Foyer, wo prachtvolle indonesische Seidentrachten auf Köstritzer Bier (und deutsche Weine) trafen und glitzernde chinesische Löwen (der Mainzer Dongfang Tanz- und Musikschule) sich verbeugten, aber auch im Thiersch-Saal wurde fröhlich geplaudert.
"Hier bekommt keiner drei neue Verträge, aber Potenzial für 30", erklärte DAW-Schatzmeister Markus Münstermann den Sinn der Kontaktbörse für vor allem mittelständische Unternehmen, die ihr Geschäft in Asien auf- oder ausbauen wollen.
"Asien, insbesondere China, bietet unendlich viele neue Chancen für Wiesbaden", meinte auch Oberbürgermeister Müller, immer noch der heimliche Wirtschaftsdezernent der Landeshauptstadt. Sichtlich zufrieden schritt er die den Empfang begleitende Ausstellung namhafter deutscher und asiatischer Unternehmen ab und plauderte mit den - trotz eines von Kanzlerin Angela Merkel am selben Abend angesetzten Botschafter-Empfangs - zahlreich erschienen Geralkonsuln, Konsuln und Honorarkonsuln, die sich zuvor im "Schwarzen Bock" zum Botschaft-Dinner getroffen hatten.
Die Konsulate, betont DAW-Präsident Krüger, sind das Tor zu wirtschaftlichen Beziehungen in Asien. Der Neujahrsempfang ist daher Top-Terrain fürs Ost-West-Business, das für die Rhein-Main-Region eine riesige Rolle spielt. Nicht zufällig präsentierte und repräsentierte auch Fraport im Wiesbadener Kurhaus.
Und während man nach den Oberbürgermeistern und Wirtschaftsförderern aus Frankfurt und Mainz vergeblich Ausschau hielt, hatte sich ein kleines hessisches Städtchen ganz vorn platziert: Steinau an der Straße warb an einem eigenen Stand nicht nur für sich als Märchenstadt, die bei asiatischen Touristen nicht unbekannt ist, sondern will auch "künftiger Industrie- und Gewerbestandort" werden. Das war DAW-Schatzmeister Münstermann noch mal einen kleinen Seitenhieb nach Frankfurt wert: "Die Zeiten, in denen man auf dem Hintern sitzen bleiben konnte, sind vorbei!"

