Von Angelika Eder
Stephan Karl Schäfer, das erste Wiesbadener Neujahrsbaby des Jahres 1959, feiert seinen 50. Geburtstag
WIESBADEN Um 1.32 Uhr erblickte Stephan Karl Schäfer in der Silvesternacht 1959 das Licht der Welt. Doch bis er zum "ersten Neujahrsbaby des Jahres 1959" gekürt wurde, dauerte es ein wenig.
Vor einem halben Jahrhundert hatte es einige Turbulenzen rund um seine Geburt gegeben: Zunächst wäre er fast auf der Platter Straße zur Welt gekommen, wie sich Johanna Schäfer erinnert: In der Silvesternacht gab es auf die Schnelle kein freies Taxi, so dass die Hochschwangere den Weg von der Philippsbergstraße zum Johannesstift in letzter Minute zu Fuß antrat. Schließlich war die gebürtige Breslauerin, 1945 bei 23 Grad Kälte aus Breslau geflohen, eine Frau der Tat. Allerdings bereitete ihr die Schnelligkeit des dritten Kindes doch einige Probleme. Denn der Kleine wurde bereits um 1.32 Uhr im Stift geboren, obwohl seine Mutter noch um Mitternacht zu Hause mit der Familie auf das neue Jahr angestoßen hatte. Und dann war im Kurier irrtümlich ein anderer Säugling zum 1959er Neujahrsbaby Nr. 1 in Wiesbaden erklärt worden, obwohl er später als der Schäfer-Sprössling das Licht der Welt erblickt hatte. Kommentar der Hebamme gegenüber seiner Mutter: "Das lassen wir uns nicht gefallen. Unser Stephan war drei Stunden früher da!" Sprach´s, rief in der Redaktion an und verhalf Schäfer somit zu einem "Nachtrag" in der Zeitung unter dem Titel "Hurra, ich war zuerst da!" Ein halbes Jahrhundert ist das nun her: Am 1. 1. 2009 wird Stephan Karl Schäfer 50 Jahre alt und freut sich nicht nur seines Lebens, sondern erfreut auch andere, wie seine Mutter Johanna schriftlich festhält: "Er ist ein lieber, netter, hilfsbereiter Sohn, ein toller Mann und mit Leib und Seele Gärtnermeister bei der Stadt Wiesbaden." Die Wahl seines Berufes sei von der naturliebenden Mama beeinflusst worden, so der 50-Jährige: "Ich wollte unbedingt im Freien arbeiten, also Forstwirt, Winzer oder Gärtner werden, denn unsere Mutter hat uns jeden Tag mit zum Alten Friedhof genommen, sie hat Pilze und Kräuter für Tees mit uns gesammelt und alles erklärt", sagt Schäfer. So entschied er sich für eine Lehre in der Stadtgärtnerei im Aukamm und absolvierte später die Meisterschule im Klarenthal, um von da an für die Stadt zu arbeiten. Schäfer liebt seine Arbeit, "weil man etwas gestalten, etwas verschönern kann, was wächst und gedeiht". Gerade weil ihm sein Beruf so viel Freude macht, ärgert er sich besonders über den "zunehmenden Vandalismus", der etwa in den Reisinger Anlagen, am Warmen Damm oder auch an den Kübeln auf der Wilhelmstraße festzustellen sei. Den Fastnachtsumzug schaut er sich keinesfalls mehr auf der Rue an, weil er es nicht ertragen kann, wenn Eltern ihre Kinder einfach in die liebevoll bepflanzten Töpfe reinstellten, nur damit die Kleinen besser sähen. Stephan Schäfer nennt die Dinge beim Namen, denn er ist "Steinbock, und die sind ehrlich". So lässt er denn auch keinen Zweifel daran, dass die Grünanlagen im Opelbad früher, "als wir von der Stadt sie noch pflegten und viel Buntes pflanzten, wesentlich besser aussahen". Er hegt und pflegt nicht nur die Pflanzen auf den 45 Hektar, für die er beruflich zuständig ist, sondern auch privat ein kleines Gärtchen vor dem Haus in Sonnenberg, in dem er mit seiner Partnerin lebt. Und natürlich kümmert er sich um seine Mutter, besucht sie ein- oder zweimal pro Woche und kauft für sie ein. Kein Wunder also, dass Johanna Schäfer im Rückblick den Medizinern im Johannesstift voll und ganz Recht gibt: "Ich war damals nicht glücklich über den Nachwuchs: Mein zweites Kind war gerade er erst ein Jahr alt und ich fragte mich, wie ich das alles schaffen sollte. Aber die Ärzte meinten, vielleicht werde ja gerade dieses Baby was ganz Besonderes. Und das stimmt: Heute denke ich: Wie gut, dass Stephan da ist!"

