Von Christoph Cuntz
Die Kinder sollen nicht zu jenem Guru, von dem ihre Mütter überzeugt sind
WIESBADEN Die schlechte Presse, die Andreas Hortmann vor Jahren hatte, hat dem selbst ernannten "Sprachrohr Gottes" nicht geschadet. Immer noch hat er bis zu 70 zahlende "Jünger". Aber seit einiger Zeit auch zwei erbitterte Gegner.
Um Sex, Scham und Angst geht es in dem Seminar, das "Logic 5" anbietet, die von Andreas Hortmann geführte "Privatakademie für Soziales Lernen". Es richtet sich an jene, die sich enthemmen wollen, weil sie sich ein "erfüllteres Sexualleben, mehr Erotik, Zärtlichkeit, Leidenschaft und sogar Ekstase" erträumen. Die Praktiken des Wiesbadener Gurus hatten vor sechs Jahren Schlagzeilen gemacht, dem der "Stern" sogar eine Titelgeschichte widmete. Die Staatsanwaltschaft begann gegen ihn zu ermitteln - das Verfahren ist eingestellt. Seither hat sich wenig geändert, außer dem Namen seiner Akademie, die sich damals "Institut für Spirituelle Psychologie" nannte. Immer noch sind seine Kurse gut besucht. Bis zu 70 Klienten, schätzt einer, der nach vier Jahren in der Sekte den Ausstieg schaffte und dort in dieser Zeit rund 60000 Euro ließ. Seit seinem Ausstieg hat der 33 Jahre alte Frankfurter den Kampf aufgenommen gegen Hortmann - und für seinen Sohn, weil er "Gehirnwäsche" in den Kinder-Seminaren des Gurus fürchtet. Denn seine Frau, eine Zahnärztin, sucht weiterhin Erleuchtung bei Hortmann. Ihr habe Hortmann erzählt, sie sei in ihrem vorherigen Leben von ihrem heutigen Vater vergewaltigt worden, ihre Mutter habe zugeschaut. Nun habe der Guru seine Frau aufgefordert, sich von ihrem abtrünnigen Ehemann zu trennen. Für diesen Fall besteht der Diplom-Kaufmann auf das Sorgerecht für seinen drei Jahre alten Jungen. Aber er glaubt, bei Jugendamt und Familiengericht schlechte Karten zu haben. "Die merken nicht, wie gefährlich der Mann ist." Hortmann ist einer, der sich in einer "Lichthierarchie" zu Gott sieht. Einer, der Schutzgeister zur Verfügung stellt - und entzieht. Der eine Brandstiftung in seinem Haus mit der Kreuzigung Jesu Christi und die darauf folgende Wiedereröffnung seiner "Mysterienschule" mit der Auferstehung vergleicht. Das Landgericht hatte im Juli 2004 angesichts solcher Selbstdarstellung geurteilt: Ihn einen Größenwahnsinnigen zu nennen, sei eine "vom Tatsachengehalt her eher substanzarme Angabe". Auch heute noch, so schildert es der Aussteiger, nennt Hortmann seine Kurse "Spuren", in denen es um "Auflösung von Verwünschungen" und Geistiges Heilen geht. Hortmann treibt Klienten auch mal den Teufel aus, teilt ein in "Berg-Menschen" - seine Jünger - und "Tal-Menschen". Zu diesen gehört wohl der 43 Jahre alte IT-Berater, dessen Frau im Rheinhessischen wohnt. Auf seiner Internet-Seite infozuhortmann.de rät er: "Als Partner eines Hortmann-Anhängers gibt es nur zwei Möglichkeiten: 1) Ihr Partner wird Sie mittels Gehirnwäsche solange bearbeiten, bis Sie ebenfalls Hortmann-Anhänger sind. 2) Sie trennen sich von Ihrem Partner." Auch er kämpft vor dem Familiengericht um das Sorgerecht für seine sechs und zehn Jahre alten Töchter. Gericht und Jugendamt seien mit Hortmann "völlig überfordert". Anfangs habe die Richterin eine Auflage für seine Frau angekündigt, wonach sie ihre Töchter nur behalten dürfe, wenn sie zwei Jahre lang von Hortmann fern bleibe. Doch der Ankündigung sei bis heute kein Urteil gefolgt. Hortmann will sich zu all dem nicht äußern und sagt auf Kurier-Anfrage nur: "Wenn es Ihnen Spaß macht, immer wieder über mich herzuziehen, kann ich Sie nicht abhalten."

