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Wiesbaden 

Will der "Daddelkönig" ins Kurhaus?

27.10.2008 - WIESBADEN

Von Ingeborg Salm-Boost

Marktführer der Spielautomatenbranche soll am Casino interessiert sein

WIESBADEN Auch der europäische Marktführer der Spielautomaten-Branche schaut begehrlich auf Wiesbadens schönes Casino. Zwar wird es von keiner Seite während der Bewerbung um die Konzession offen ausgesprochen, doch ist offenbar die Gauselmann- Gruppe höchst interessiert.

Das Rennen um die für 2011 anstehende Neuvergabe der Spielbank-Konzession ist in vollem Gange, die Ausschreibung hat, wie im Kurier berichtet, stattgefunden. Strengste Geheimhaltungsstufe ist zwischen den Akteuren - Stadt, Land und Interessenten - schriftlich vereinbart. Klar, dass keiner, der bis Mitte November offiziell seine Bewerbung abgeben muss, ausplaudern wird, warum er sich für den "besten Konzessionär des Wiesbadener Spielbankgeschäfts" hält. Umsatzeinbußen Es braucht nicht viel Fantasie um zu wissen, dass die jetzige Betreiber-Gruppe um John Jahr (Hamburg) zusammen mit den Gastronomen Käfer und Kufler die Geschäfte weiterführen will. Seit 20 Jahren lässt sie die Kugel rollen und die Automaten blinken. Zwar klagt die Spielbank-Branche allerorten über Umsatzeinbußen um die 20 Prozent, dennoch bleibt das Casino auch ohne das vom Staat untersagte Internet-Roulette und trotz nun verbindlicher Kontrollpflicht im Kleinen Spiel höchst lukrativ. Und es bringt reichlich Millionen in die Kassen von Stadt und Land. Von den Abgaben gehen 30 Prozent an die Kommune und zirka 70 Prozent ans Land, jährlich jeweils zweistellige Millionenbeträge. Das Casino Wiesbaden ist in Hessen das erfolgreichste und laut eigenen Angaben deutschlandweit unter den ersten sechs. Der Bruttospielertrag betrug 2006 rund 40 Millionen Euro. Wegen der anstehenden Konzessionsverhandlungen spricht man nicht über neue Zahlen. In der Kommunikationsabteilung der Gauselmann-Gruppe in Espelkamp in Ostwestfalen reagiert man freundlich auf die Anfrage aus Wiesbaden. Nein, einen Kommentar gibt es nicht, das wäre ein klarer Regelverstoß im sensiblen Wettbewerb um Hessens Vorzeige-Casino. Ja, natürlich könnte man sich vorstellen eine solche Spielbank zu betreiben, und auch, wie es in der Ausschreibung ausdrücklich verlangt ist, einen hochkarätigen Partner aus der Gastronomie zu präsentieren, lässt sich der Kommunikationschef Mario Hoffmeister entlocken: Er legt Wert auf die Formulierungen "könnte" und "wenn sich das Unternehmen bewerben würde". Kurdezernent schweigt "Merkur-Casinos" von Gauselmann gibt es bereits in Ländern wie Ungarn und Rumänien. Und einer aus der österreichischen Spielautomaten-Branche, Novomatic, ist beispielsweise schon in Kassel und Rügen am Roulette-Tisch angekommen. Warum also sollte man sich nicht auch für Wiesbaden bewerben?, wird sich die Branche fragen. Der zuständige Wirtschafts- und Kurdezernent Detlev Bendel (CDU) bleibt weiterhin schweigsam. Ebenso wie Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), der aber weiß: "Das Interesse ist sehr groß, weil man eben gut verdienen kann." Die Stadt ist bei den nun bald anlaufenden Gesprächen mit Interessenten federführend, muss sich aber mit dem Innenminister ins Benehmen setzen. "Weitgehende Erfahrungen im erfolgreichen Betrieb einer umsatzstarken Spielbank" muss der Betreiber des Wiesbadener Glücksspiels laut Ausschreibungstext besitzen. Die Gauselmann-Gruppe wird wohl auf Osteuropa verweisen müssen. Die Sonntagszeitung der FAZ von gestern nennt den 74-jährigen Herrscher des Automaten-Imperiums, Paul Gauselmann, in einem aktuellen Porträt "Kasino-Kapitalist", der vergangenes Jahr 1,06 Milliarden Euro Umsatz machte. Allerdings wird auch erwähnt, dass der Spielhallenbetreiber und Automatenhersteller schon unter Manipulationsverdacht stand, ein Vorwurf, der nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld nicht bestätigt wurde. Und so schimpft Paul Gauselmann im Internet heftig auf üble Neider und Denunzianten und vor allem auf das Nachrichtenmagazin Spiegel. Das habe sich vor deren Karren spannen lassen.

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