Von Christoph Cuntz
Ob angeordnet oder aus eigenem Ansporn: Veranstalter beauftragen Sicherheitsdienste
WIESBADEN Wer feiert, macht das nicht in stiller Einkehr. Weil sich aber immer mehr Anwohner am Lärm der Feste stören und weil es mancherorts auch ausgesprochen rustikal zugeht, müssen immer mehr Veranstalter einen Sicherheitsdienst beauftragen.
Wiesbaden: Hauptstadt der Feste. 650 Veranstaltungen im Jahr zählt das Ordnungsamt. Aber zur ausgelassenen Freude gesellt sich immer wieder Zank und Zwist. Anwohner ärgern sich über den Lärm, der aus dem Festzelt herausdringt. Und im Zelt selbst suchen Trunkenbolde Streit. Immer häufiger muss deshalb Winnrich Tischel, Leiter des zuständigen Einwohner- und Integrationsamtes, den Veranstaltern Auflagen machen. Meist aufgrund schlechter Erfahrungen aus den Vorjahren. Der Amtsleiter spricht von einer wachsenden Beschwerdewelle, weil die Leute "immer weniger Verständnis für Traditionsveranstaltungen" haben. Und mahnt, die Feier- und Festkultur sei immer häufiger von Alkoholmissbrauch geprägt. Er muss dann "ordnend eingreifen". In Form von Auflagen. Und das heißt nicht selten: Der Veranstalter hat einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, der dafür sorgt, dass die Nachtruhe der Anwohner ungestört bleibt und es im Festzelt nicht zu Schlägereien kommt. Zwischen 15 und 20 Prozent aller Feste in Wiesbaden haben bereits solche Auflagen, sagt Tischel. Tendenz steigend. Das Nauroder Äppelblütenfest zählt etwa zu solchen Veranstaltungen. "In diesem Jahr waren die Auflagen überdimensioniert", räumt Tischel ein. Denn weil die hr-3-Diskothek entfallen war, habe es weniger Zwischenfälle gegeben. Auflagen gibt es auch für die Frauensteiner Kerb. Denn Anwohner stört der Lärm. Zu denen, die freiwillig einen Sicherheitsdienst beauftragt haben, gehört die Kerbegesellschaft Rote Rosen in Medenbach. Erstmals vor drei, vier Jahren stand die Security am Eingang. "Reine Vorbeugung", sagt Vereinsvorsitzender Sascha Renneißen. Der Verein habe vermeiden wollen, dass es zu Schlägereien wie auf Festen in den Nachbarorten kommt. Nun werden einschlägig bekannte Leute abgewiesen. Und: "Wir lassen kontrollieren, damit niemand, der jünger als 16 Jahre ist, Alkohol trinkt". Jugendfrei ist das Programm der Roten Rosen tatsächlich nur bedingt. Bei der Mallorca-Party am 19. September tritt Mickie Krause auf, bekannt durch Hits wie "Finger im Po Mexiko" oder "Zehn nackte Friseusen". In ihrer Ankündigung werben die Roten Rosen: "Seid dabei, wenn Mickie Krause die Stimmung zum Überkochen bringt und das Medenbacher Kerbezelt dem Ballermann in Nichts nachsteht". Und noch eine Attraktion gibt es: das Jägermeister-Promotion-Team werde "mächtig einheizen". Sicherer Saufen: Das kostet Geld. Die Medenbacher zahlen den sechs Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes zehn Euro pro Stunde. Noch tiefer muss die Rambacher Kerbegesellschaft 1965 in die Tasche greifen. Auch hier wachen sechs Mann zwischen 19 Uhr und 3 Uhr morgens für 15 Euro die Stunde. Um das finanzieren zu können, werden die Rambacher nun drei Euro Eintritt verlangen. Viel Probleme mit Vandalismus hatte es gegeben, sagt Patrick Will von der Kerbegesellschaft. Und in den Jahren zuvor war es auch immer wieder zu Schlägereien unter Betrunkenen gekommen. "Das wollen wir im Keim ersticken." Mit der Polizei jedenfalls sei abgeklärt, "dass wir das Platzrecht haben". Tatsächlich nennt Karlheinz Pfister, Leitender Polizeidirektor, den Einsatz von Sicherheitsdiensten bei solchen Festen "im Einzelfall hilfreich". Bevor darüber mit einem Veranstalter gesprochen werde, werde die Lage im Vorfeld genau geprüft. Allerdings beschreibt die Statistik der Wiesbadener Polizei seit Jahren eine leicht rückläufige Tendenz bei Delikten, die in Zusammenhang mit Festzelten und Rummelplatz stehen. Die Veranstalter jedenfalls akzeptieren Auflagen wie die, einen Sicherheitsdienst zu bezahlen, widerspruchslos. "Ich kenne keinen Fall, in dem wir das nicht einvernehmlich regeln konnten", sagt Amtsleiter Winnrich Tischel. Er sieht sich hierbei freilich einem Spannungsfeld ausgesetzt. Denn als Amtsleiter kennt er nicht nur das Interesse nach Ruhe und Ordnung. Sondern auch das Bedürfnis nach einem schönem Fest.

