Von Ingeborg Salm-Boost
Stadt Wiesbaden hat Konzession fürs Casino samt Gastronomie im Kurhaus neu ausgeschrieben / Land redet mit
Das große Spiel ums Casino Wiesbaden ist in vollem Gange. Mehrere Bewerber um die Neuvergabe der Konzession haben nach der Ausschreibung durch die Stadt ihr Interesse bekundet. Aber das ist nur der erste Schritt im Verfahren. Der Vertrag läuft Ende 2010 aus. Die Spielbank Wiesbaden ist laut Geschäftsführer Thomas Freiherr von Stenglin von den Casinos in Hessen die erfolgreichste und kommt bundesweit, wo an etwa 65 Standorten zirka 30 Betreiber aktiv sind, unter die ersten sechs. Seit 20 Jahren sind die Hamburger Familien John Jahr und Achterfeld Hauptkonzessionäre, die Gastronomen Kufler und Käfer sind beteiligt. Für 2011 müssen sie sich bei der Stadt Wiesbaden aufs Neue bewerben. Und mit Konkurrenz rechnen. Dass die jetzigen Betreiber auch in Zeiten, in denen die Spielbanken bundesweit Umsatzrückgänge beklagen, weiterhin in Wiesbaden Flagge zeigen wollen, daran zweifelt niemand. Doch im Auswahlverfahren wird schriftlich höchste Vertraulichkeit festgelegt. Deshalb halten sich alle Seiten, ob Stadt und Land, das ein gewichtiges Wort mitredet und den größten Anteil der Erträge einstreicht, oder potenzielle Interessenten mehr als bedeckt. Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel lässt sich nur entlocken, dass "mehrere Bewerber Nachfragen haben." Dass ein bislang branchenfremder, potenter Interessent dabei sei, wie gemunkelt wird, will Bendel nicht bestätigen. Es sei alles in einem frühen Stadium, sagt er. Von den Abgaben des Casinos gehen knapp 30 Prozent an die Kommune, 70 Prozent ans Land, jeweils in zweistelliger Millionenhöhe. Das Land soll allerdings wegen des Einnahmenrückgangs mit seinen Forderungen etwas nach unten gegangen sein. Nach den Interessensbekundungen seien die Unterlagen rausgegangen. Es gebe einige Nachfragen, so dass die Bewerbungsfrist bis Mitte November verlängert worden sei, erklärt Bendel, der mit dem Innenminister Benehmen herstellen muss. Bald könnten die Gespräche beginnen. "Weitgehende Erfahrungen im erfolgreichen Betrieb einer umsatzreichen Spielbank" werden laut Ausschreibung verlangt, und der Interessent soll einen Partner aus der gehobenen Gastronomie für Kurhaus und Spielbank mitbringen, der Erfolge aufweisen kann. Auch der Statthalter der Konzessionärsgruppe sagt natürlich keinen Ton zur Bewerbung. Thomas Freiherr von Stenglin redet zur Zeit nicht gern über Zahlen, bestätigt aber: "Bundesweit liegen die Rückgänge bei zirka 20 Prozent, davon können auch wir uns nicht ganz abkoppeln." Mehr als 40 Millionen Euro betrug der Bruttospielertrag 2006, jüngere Zahlen wurden nicht veröffentlicht. Zirka 70 Prozent kommen aus dem Automatenspiel, das nun - wie überall - schwächelt. Das Verbot des Online-Spiels und dass nun auch fürs Kleine Spiel in den Kolonnaden Einlasskontrollen vorgeschrieben sind, lässt die Einnahmen sinken, bestätigt Stenglin. Es gebe eben viele Menschen, die wollten anonym bleiben, meint der Geschäftsführer, und ärgert sich, dass es für die Spielhallen keinen Kontrollzwang gibt. Von einer Vorschrift allerdings ist das Wiesbadener Automatenspiel (im Gegensatz zum Roulette) nicht betroffen: Vom Rauchverbot. Zwar war dies ein politischer Streitpunkt, die Jamaika-Mehrheit im Rathaus folgte aber der Ordnungsdezernentin. Die hatte erklärt, da es auch Automaten im Großen Spiel gebe, wo Rauchverbot herrscht, könnten Gäste dorthin ausweichen. Keine Probleme gibt es übrigens beim Poker durch das Rauchverbot. Bei diesem boomenden Spiel melden ständig weitaus mehr Leute Interesse an als Plätze vorhanden sind. Das hatte der technische Spielleiter nach Einführung des Nichtraucher-Schutzgesetzes festgestellt. Kommentar

