Archivnutzer setzen sich für Lüderitz ein
mag. Wilfried Lüderitz, 62 Jahre alter Ein-Euro-Jobber im Wiesbadener Stadtarchiv, hat in den vergangenen Tagen von vielen Seiten Anerkennung für seine Arbeit und Zuspruch für sein Bemühen erhalten, in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. Wie berichtet ist Lüderitz´ Beschäftigung im Multimediaarchiv vermutlich illegal, weil sie nicht "zusätzlich" im Sinne der HartzIV-Gesetze ist, sondern zu den laufenden Arbeiten eines Stadtarchivs gehört. Einer der Nutzer des digitalen Bildarchivs der Stadt ist unter anderen Manfred Daunke (65). Der Wiesbadener war Jahrzehnte lang Marketing- und Vertriebsleiter von Cinzano Deutschland, hat 2006 an der Universität Mainz über nassauisch-preußischen Weinbau promoviert und bei verschiedenen Themen häufiger mit Wilfried Lüderitz zusammengearbeitet. Daunke schrieb einen Brief an Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne), in dem es über Lüderitz heißt: "Der Mann hat wirklich Ahnung von seinem Fach und ist noch dazu mit Eifer bei der Arbeit." Lüderitz sei "außerordentlich hilfsbereit und kompetent". Er, Daunke sei "nachgerade entsetzt gewesen", als er von Wilfried Lüderitz´ Bezahlung als Ein-Euro-Jobber im Kurier gelesen habe. Lüderitz wundert sich indessen darüber, dass er in einer Presseerklärung der Kulturamtsleitung als Mann "zum Einscannen und Einordnen von Fotografien" dargestellt worden sei. In Wirklichkeit übten er und sein Kollege Siegmund Dieser im Multimediaarchiv auch die Arbeit eines Systemadministrators aus. Die Datenbank kann außer den beiden offenbar keiner bedienen. Was möglicherweise die Leitung des Kulturamtes oder die Dezernentin gar nicht weiß oder wissen will. Indessen rumort es in Teilen der Wiesbadener Grünen wegen des Führungsstils von Rita Thies in ihren Verwaltungsabteilungen. Die beiden Grünen-Sprecherinnen Christiane Hinninger und Katja Meier wollten das auf Kurier-Anfrage aber nicht bestätigen, sondern erklärten zu den Vorgängen im Archiv: "Wir kommentieren das nicht."

