Ausnahmezustand an Wiesbadener Albrecht-Dürer-Schule: 18-jähriger Schüler festgenommen
25.01.2012 - WIESBADEN
Von Birgit Emnet
Um 12.51 Uhr ging die Meldung bei der Polizei ein, sieben Minuten später wurde der Tatverdächtige bereits im Bereich der Lahnstraße festgenommen. Derweil bezog ein Einsatzkommando der Polizei vor den Toren der Albrecht-Dürer-Schule Posten. Kein Schüler durfte mehr das Gelände verlassen, abholende Eltern mussten draußen warten. Zunächst ohne Informationen. Gerüchte machten sofort die Runde, von einer Schlägerei in der Schule war die Rede, von Drohungen, die ausgestoßen worden waren. Ein Vater wollte wissen, dass eine Schülerin auf Facebook gedroht habe, alle in die Luft zu sprengen. Ein Konglomerat beunruhigender Nachrichten kursierte, viele standen rauchend und nervös vor dem Schultor und harrten der Dinge. Schüler riefen ihre Handynummern aus den Fenstern oder skandierten:„Holt mich hier raus!“
Was war geschehen? Polizeisprecher Markus Hoffmann zeigt den Einsatzzettel. 12.51 Uhr ging die Meldung ein. Ein 18-jähriger Schüler hatte auf Facebook gepostet und eine „Revolution“ angekündigt. „Wir nehmen sowas total ernst“, so Hoffmann über den Facebook-Eintrag. Eine Straftat sei nicht ausgeschlossen. Eine starke Einsatzgruppe rückte aus und besagte sieben Minuten später war der Verdächtige geschnappt, in der Nähe der Schule. Der junge Mann sei neu in der Schule, habe Probleme mit Mitschülern, hieß es seitens der Polizei. Der 18-Jährige wurde auf dem Revier eingehend vernommen.
„Das ist kein Spaß.“
„Ein solches Verhalten kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, sagt Polizeisprecher Hoffmann. „Das ist kein Spaß.“ Mal abgesehen davon, dass dem Verursacher auch zivilrechtliche Schritte drohen und er möglicherweise für die Kosten des massiven Einsatzes mit Dutzenden von Polizeibeamten und Sachverständigen aufkommen muss. Psychologen und andere Spezialisten sind vor Ort, sondieren die Lage, sprechen mit Schülern, beruhigen Eltern. Über eine Stunde warten die Angehörigen, mittlerweile zuhauf über Handy alarmiert, vor der Schule, sehen ihre Kinder oben winken und können doch nichts tun.
„Auch für die Eltern ist das eine enorme Stresssituation“, weiß Polizeisprecher Hoffmann. Immer wieder Fragen an die Polizisten, die nicht viel sagen dürfen, aber wenigstens soviel, dass sich die Eltern nicht aufregen müssten. Man habe die Situation im Griff. „Eine Gefahrenlage besteht nicht mehr.“
Reibungslos sei die Koordination mit der Schule verlaufen, lobt Hoffmann. Bei der vorliegenden Gefahrenlage greife folgendes Einsatzkonzept: Parallel zum Ausrücken der Einsatzkräfte werde Kontakt mit der Schule und dem Schulamt aufgenommen, das Interventionsteam arbeite vor Ort, auch werden Mails von Psychologen mit Handlungsanweisungen verschickt, um die Lage zu beruhigen.
Erleichterung nach einer Stunde Warten
Nach über einer Stunde Wartezeit im Klassenzimmer dürfen die Schüler nach und nach das Gebäude verlassen. „Wir haben es überlebt!“, ruft einer übermütig. Eltern nehmen erleichtert ihre Zöglinge in die Arme. Daniela (16), Stamatina (17) und Jacqueline (16) sind Zehntklässlerinnen und berichten, was drinnen ablief. Bereits in der Pause habe es eine Schlägerei gegeben, dann kursierte die Nachricht von der „Revolution“, die per Facebook gepostet war, die Schule sei informiert worden und die Klassenlehrerin habe den Schülern gesagt, dass sie im Klassenraum warten müssten. „Einige haben Panik geschoben, andere waren aggressiv.“ Die Lehrer hätten aber beruhigt, blieben bei den Klassen und die Polizei habe dann erklärt, um was es ging. „Wir sind froh, wieder draußen zu sein“, sagen die Schülerinnen erleichtert.


Wer hat denn die Kosten verursacht
Was soll so ein Einsatz? Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, nicht der Schüler.
Ist natürlich wieder ein probates Mittel, die Bevölkerung zu ängstigen, so lassen sich einfacher Gesetze durchsetzen, die Grundrechte ausser Kraft setzen.