Wiesbaden: Stadt plant Freilaufflächen für Vierbeiner - Anhebung der Hundesteuer
10.10.2011 - WIESBADEN
Von Patrick Körber
„Die Stadt ist ein Partner und kein Gegner der Hundehalter“, betont die Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Astrid Wallmann (CDU). So will die Stadt künftig offizielle Freilaufflächen für Hunde ausweisen, etwas, dass es in anderen Großstädten wie beispielsweise Frankfurt längst gibt. Ordnungs- und Grünflächendezernentin Birgit Zeimetz hat auch schon konkrete Flächen im Sinn.
Die kleinste mit etwa 1.500 Quadratmetern, dafür aber in Innenstadtnähe, könnte im hinteren Bereich des Kurparks in Richtung Sonnenberg im Bereich der Dietenmühle entstehen. Die beiden anderen Hundeflächen kann sich Zeimetz auf einem Teil der Rheinwiesen, in Kastel sowie in Biebrich vorstellen. Beide Areale seien rund 3.500 Quadratmeter groß. Die Ortsbeiräte, die diese Vorschläge noch nicht kennen, sollen laut der Dezernentin aber ein Mitspracherecht haben. Es sei eher unwahrscheinlich, dass die Hundewiesen eingezäunt werden, meint Zeimetz. Die Stadt Frankfurt habe die Erfahrung gemacht, dass das nicht nötig sei. Das angedachte Kurparkareal sei weitgehend von Hecken umrahmt.
Nicht nur Geschenke
Die Freilaufflächen entbinden die Hundehalter allerdings nicht von ihren Pflichten, auch dort den Hundekot zu entfernen. Deshalb würden auch dort Spender für Hundekotbeutel sowie Abfalleimer aufgestellt werden. Schilder sollen Spaziergänger auf den „Hundespielplatz“ aufmerksam machen.
Bis zu 12.000 Euro plant Zeimetz als Kosten dafür ein. In der neuen Satzung der Gefahrenabwehrverordnung will Zeimetz auch deutlicher formulieren lassen, an welchen Orten eine Anleinpflicht besteht. Die Leinenpflicht wolle sie aber nicht ausweiten. Wenn Ortsbeiräte und Stadtparlament zustimmen, könnten die Wiesen Anfang kommenden Jahres für Hunde freigegeben werden.
Doch verteilt die Stadt nicht nur Geschenke an Hundehalter. Nachdem das Stadtparlament am Donnerstag zugestimmt hat, macht sich die Ordnungsdezernentin nun daran, die Bußgelder für Hundehalter drastisch zu erhöhen, die die Hinterlassenschaft ihres Vierbeiners nicht entfernen. SPD-Stadtverordneter und Dackelbesitzer Peter Schickel spricht von „selbstgerechten Uneinsichtigkeiten am oberen Ende der Leine“.
Selten auf frischer Tat ertappt
Noch zahlen erwischte Hundehalter 35 Euro Bußgeld. Künftig, so der Vorschlag der Dezernentin, fängt das Bußgeld bei mindestens 75 Euro an. Wenn eine Liegewiese durch Hundekot verunreinigt wird, soll das Knöllchen 100 Euro und auf Spielplätzen sogar 150 Euro kosten. Jedoch stellt Zeimetz klar: „Der Großteil der Hundebesitzer macht den Dreck weg.“ Auch Wallmann meint, dass es „nur einzelne Personen sind, die sich nicht an die Regeln halten“.
Doch die uneinsichtigen Hundehalter werden selten auf frischer Tat ertappt. Bis Ende August wurden lediglich sechs Personen wegen Nichtentfernens von Hundekot belangt. Bei einer Aktion auf dem Schulberg vergangene Woche und an der Adolfsallee vor zwei Monaten konnten die zivilen Ordnungshüter keinen Missetäter ausmachen. Verstöße gegen Leinenzwang wurden indes bis Ende August 41 Mal geahndet.
Hundesteuer „für Zweit- und Dritthunde“
Um die Hundebesitzer zu warnen und auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen, wird künftig ein Infoblatt mit den Hundesteuerbescheiden verschickt. „Die Bescheide werden aber nur versendet, wenn sich jemand zum ersten Mal anmeldet oder sich die Steuer ändert.“ Da dürfte es bald Gelegenheit geben, viele Infoblätter zu verschicken. Denn die Ordnungsdezernentin möchte teilweise die Hundesteuer erhöhen. „Für Zweit- und Dritthunde“, sagt sie. „Wir leben in einer Großstadt und wollen eigentlich nicht, dass die Leute mehr als einen Hund halten.“

